29 Jul

Hochwasserkatastrophe 2021 in NRW – Hilfsbereit zu jeder Zeit

Die durch starken Dauerregen hervorgerufene Hochwasserkatastrophe 2021 in Teilen von NRW, Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern hat bislang ca. 180 Todesopfer, viele Verletzte, Obdachlose, Flutopfer und ein riesiges Ausmaß an Zerstörung gefordert. Vita Oeconomica hilft dabei, Hilfsangebote zu verknüpfen und HelferInnen miteinander bekannt zu machen. Und es funktioniert! – Meldet euch bei mir – Ihr könnt mithelfen. Ich schreibe hier speziell über den Verteiler „Am Schwimmbad 3“ im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr-Ahrweiler Stadtteil Bachem und „Das Flammenwerk“ aus Köln, das mit diesem Verteiler eng zusammenarbeitet.  Nehmt euch etwas Zeit und lest chronologisch von unten nach oben, wer und was den Verteiler ausmacht und wie auch ihr unbürokratisch helfen könnt. Links zu Helfer-Shuttle und zur Helfer-Plattform  findet ihr unten unter der Spendenkonto-Nummer.

Hochwasserkatastrophe 2021 – hinter dem Verteiler an der Ahr haben die Aufräumarbeiten begonnen (Foto vom 1.09.21)

N E W S !

Wie angekündigt wurde das große Zelt mit Hilfe vieler HelferInnen und Anwohner abgebaut. Frank Wirfs hat nach Monaten des unermüdlichen Einsatzes die Verantwortung an ein neues Helferteam übergeben. Das aus erfahrenen HelferInnen bestehende neue Kern-Team und hilfsbereite Menschen aus ganz Deutschland haben in Rekordschnelligkeit ein verkleinertes Areal ohne Hangar für die Flutopferhilfe auf die Beine gestellt und eine Oase für  kleine Auszeiten geschaffen. Die unten genannte Unterschriftenaktion war sehr erfolgreich und die Stadt hat vorerst die Nutzung des Geländes bis Ende April 2022 genehmigt. Bis dahin hoffen wir alle, dass die Stadt erlaubt, das Areal auch noch nach dem 30.04. zu nutzen, da die Hilfsangebote von den Betroffenen und freiwilligen Helfern weiterhin stark genutzt und benötigt werden. Ein Profikoch und die Landfrauen, aber auch das Team selbst, kochen weiterhin täglich gesundes und leckeres warmes Essen, bieten komplettes Frühstück und Abendessen und jede Menge Rat und Tat und Zuwendung an. Das Verpflegungszelt ist täglich vo 8.00 bis 20.00 Uhr besetzt.

Ich von Vita-Oeconomica schließe hiermit diesen Artikel, bedanke mich für eure Aufmerksamkeit und Treue beim Lesen und auch die Unterstützung und werde in einem neuen Artikel baldmöglichst über das Geschehen rund um verkleinerten, neu-organisierten Verteilerposten Am Schwimmbad 3 A in Bad Neuenahr-Ahrweiler Bachem berichten.

Abbau des großen Zeltes – Alle helfen mit

 

In Rekordzeit haben fleißige HelferInnen und Handwerker das große Zelt abgebaut. Meisterleistung!

In Rekordzeit haben fleißige HelferInnen und Handwerker das große Zelt abgebaut. Meisterleistung!

HangAhr-2021 wird wohl Mitte März abgebaut

Leider wird der beliebte HangAhr-2021 wohl schon Mitte März 2022 abgebaut. Bei meinen regelmäßigen Besuchen stelle ich jedes Mal in Gesprächen mit den Betroffenen fest, wie wichtig diese Institution noch ist. Natürlich muss das Zelt irgendwann abgebaut werden, ich persönlich finde es allerdings verfrüht. Auch wenn die Stadt Bad Neuenahr den Anwohnern ein österliches Bild auf dem Platz Am Schwimmbad 3 im Stadtteil Bachem bieten möchte. Die Anwohner und hungrigen freiwilligen Helfer benötigen in erster Linie ein heißes Essen, Wärme und menschliche Zuwendung und Problemlösung, keine Blümchenwiese. Hilfe  finden sie seit 8 Monaten hier und nicht im Botanischen Garten.

Aus der Rheinzeitung vom 28.02.2022

Natürlich konnte in der Zwischenzeit vieles in der Umgebung repariert werden, aber es ist für mich immer wieder schockierend zu hören, dass Menschen seit letzten Sommer in der Jugendherberge wohnen müssen. Oder bis heute weder Heizung noch Warmwasser, geschweige denn eine Küche haben. Glücklichere konnten bei Bekannten oder Familie unterkommen und wohnen seither in beengten Verhältnissen. Meistens fehlt es für den Wiederaufbau ihrer Häuser und Wohnungen an Material, Ersatzteilen, Maschinen zur Reinigung von verstopften Rohren und natürlich Handwerkern. Bei jedem meiner Besuche bricht jemand in Tränen aus und ich heule jedes Mal aufs Neue mit. Es ist nicht abzusehen, wann bei den Flutopfern eine gewisse „Normalität“ einkehren wird. Deshalb ist und bleibt es wichtig, ihnen einen Ort, der sie auffängt, zu bieten. Sie haben schon alles verloren und wollen ihren geliebten HangAhr und das so geschätzte Helferteam unbedingt behalten. Eine entsprechende Petition wurde innerhalb weniger Tage über 3.000 Mal unterschrieben!

Bitte unterschreibe auch Du, wenn Du willst, dass die Verteilungsstelle am Schwimmbad 3 weitergeführt wird:

Link zur Unterschrift

 

Hochwasserkatastrophe 2021 – Seit Ende Oktober steht die neue Zelthalle für die kalte Jahreszeit

Wie angekündigt, habe ich in den letzten 3 Wochen weiterhin das Geschehen rund um den Zeltaufbau am Verteiler am Schwimmbad 3 in Bad Neuenahr-Ahrweiler Bachem beobachtet und Fotos für euch gemacht. Das gigantische Zelt ist mittlerweile beheizt, die Abluftschläuche sind installiert, der Holzboden wurde ratzfatz verlegt. Patrick, Frank und seine Mithelfer haben eine feste Tür integriert und die ersten Gäste können sich schon zum Essen niederlassen. Gleich links vom Eingang ist auch eine gemütliche Sitz- und Kinderspielecke entstanden. Eine phantastische Arbeit von Frank Wirfs und seinem Team. Seit Monaten treffe ich immer wieder dieselben, zuverlässigen Helfer, die ihre Hilfstätigkeit voll in ihren Alltag integriert haben und meistens an immer festen Tagen dabei sind. Wir alle werden langsam zu Profis. Und leider wird der Einsatz noch sehr, sehr lange gebraucht werden. Deshalb ist dieses Zelt ein wahrer Segen. Für Flutopfer und Helfer! Wir alle sind froh, dass die Hilfsbereitschaft nicht nachlässt. Leider fehlt es z. T. an bestimmten Maschinen, wie z. B. für die Reinigung von Gasleitungen mit größerem Durchmesser (Mehrfamilienhäuser). So können viele Flutopfer bis heute ihre Wohnungen gar nicht oder nicht richtig nützen und kommen, wie HandwerkerInnen und HelferInnen auch, gerne regelmäßig aus ganz Bad Neuenahr  um ihr heißes Essen zu genießen. Ein wahrer Segen, sich bei heißen Getränken und gutem Essen im neuen Zelt etwas zu entspannen, aufzuwärmen und sich auszutauschen.  Am 11.12.2021 wird Bazar abgehalten und die ersten Spenden für die Flutopfer sind schon da.

Zelthalle von innen – schon beheizt und recht gemütlich

Frank Wirfs organisiert und koordiniert seit Monaten unermüdlich den Verteiler

Wieder so feine Kuchenspenden – sogar extra fröhlich geschmückt für die Kinder

News vom 27.10.2021 – Neue Halle für die kalte Jahreszeit

Trotz vieler bereits erfolgter Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten wird  der Wiederaufbau noch etliche Jahre dauern. Viele Menschen sind provisorisch woanders untergekommen. Andere können ihre Häuser oder Wohnungen noch lange Zeit nur teilweise oder gar nicht nutzen. Die Angst vor dem nahenden Winter und einer ungewissen Zukunft ist groß. Deshalb ist es allen freiwilligen HelferInnen nach wie vor ein Riesenbedürfnis, betroffene Menschen, HandwerkerInnen und HelferInnen  in ihrem persönlichen Alltag zu unterstützen. Heute hatten wir wieder um die 650 heiße Menüs, Frühstück, Kaffee, Snacks und Mittagessen. Und es gibt eine tolle Neuigkeit! Frank Wirfs mit Team haben gemeinsam mit der Stadt Bad Neuenahr ein riesiges Zelt organisiert. Am Wochenende wird ein Holzboden verlegt, eine Heizung installiert und die Verteilerpavillions und die Essensausgabe wandern von draußen nach drinnen. Im neuen Zelt werden sich die Menschen aufwärmen, ausruhen und wohlfühlen können. Ich zeige euch mal die letzten Bilder und werde über das neue Zelt berichten, sobald es fertig eingerichtet ist.

Hochwasserkatastrophe 2021 – das neue, beheizbare Zelt

Hochwasserkatastrophe 2021 – „Schwarzes Brett“

Hochwasserkatastrophe 2021 – heute mal warmer Kartoffelsalat, gebackener Leberkäse mit Senf oder gebratene Klöße mit Beilagen

Hochwasserkatastrophe 2021 – Infrastruktur, Alltag, Tiny Houses und kleine Hoffnungen

Update 06.10.: Die Fahrt zum Verteiler Am Schwimmbad ist mittlerweile weniger beklemmend, da Schutt, Schlamm und Müllberge stark abgenommen haben. Dennoch sind viele Wohnungen und Häuser noch nicht bzw. nur tlws. bewohnbar. Die Angst vor dem nahenden Winter steht den Menschen ins Gesicht geschrieben, Handwerker werden händeringend gesucht, Material ist schwer zu bekommen, Lieferzeiten sind extrem lang und die Preise schießen in die Höhe. Die Infrastruktur ist vielerorts zerstört. In den Weinbergen hat die Weinlese begonnen und Erntehelfer*innen stehen hoch über den Straßen. Die Trauben leuchten in der Sonne. Eine neue Behelfs-Fußgängerbrücke aus Stahlelementen in Verteilernähe erleichtert den Anwohnern den Weg über die Ahr. Strom- und Gasleitungen werden/wurden in der Umgebung repariert oder werden neu verlegt. Festnetz funktioniert zum Teil auch wieder.

Ca. 64 Familien dürfen auf eine befristete Unterbringung noch in diesem Jahr in einem der auf Basis der Spendenaktion „Deutschland Hilft“ angeschafften Tiny Houses auf einem erschlossenen Gelände hoffen. Die Häuschen sind durch die tlws. Anschaffung durch Spenden „gemeinnützig“, was nach Nutzungsende zu einer nachhaltigen Weitervewendung z. B. im inclusiven Bereich, verpflichtet. Eine Anzahl von Single System-Containern für Menschen 70 + werden ebenfalls angeschafft und sollen, wenn alles gut geht, noch vor Weihnachten bezogen werden. Ein nachhaltiges Hilfsprojekt ganz nach meinem Geschmack und ein Hoffnungsschimmer und Sicherheit für Menschen, denen alles genommen wurde!

Hochwasserkatastrophe 2021 – Die Kindergartenkinder haben Kuchen gebacken und gespendet

Weiter liefert „Das Flammenwerk“ täglich ca. 450 heiße Menüs und der Bedarf ist und bleibt weiterhin riesig. Es gibt mittlerweile ein noch etwas fragiles Stromnetz, sodass wir gespendete Kühlschränke aufstellen konnten.  Wunderbar ist zu melden, dass es Flutopfer gibt, die entweder umgezogen sind oder ihre Wohnungen wieder bewohnbar gemacht wurden und dass diese Menschen unsere Verteilerstelle nicht vergessen haben. So haben umquartierte Kindergartenkinder bunten Kuchen gebacken, eine Familie spendet jede Woche 4 Kastenkuchen. Einer dieser Kuchen wird besonders schön dekoriert und ist für die Kinder, die uns besuchen, gedacht. Wunderschöne Gesten, die uns Antrieb geben, täglich weiterzumachen! Und wir sind froh, dass weiterhin zuverlässige und hilfsbereite Menschen rund um den Wiederaufbau helfen und ein Stück Normalität, Gemeinschaft und Geborgenheit bieten.

Hiltrud und ihr Ehemann Herbert helfen ehrenamtlich seit Wochen regelmäßig tatkräftig und vorausschauend mit. Und der schön dekorierte Kuchen lässt unsere Besucherkinder höher schlagen

Update 01.09.: Ca. 400 Essen werden fast täglich von „Das Flammenwerk“  aus Köln ab 12.30 Uhr weiterhin zuverlässig an den Verteiler geliefert. Wenn wir ankommen, ist die Warteschlange sehr lang und es kommen neben Anwohnern, die oftmals immer noch keine Möglichkeit haben, selbst zu kochen, HelferInnen und HandwerkerInnen, um sich zu stärken und eine kleine Auszeit zu genießen. Dank der zuverlässigen ehrenamtlichen HelferInnen am Verteiler gibt es weiterhin schon ab 8.00 Uhr Frühstück, gefolgt von Mittagessen und Kaffee. Gegen Abend können Hunger und Durst gestillt werden und es tut den Menschen einfach gut, mit den HelferInnen ein paar persönliche Worte zu wechseln. In den 8 Wochen sind viele Bekanntschaften entstanden.

Hochwasserkatastrophe 2021 – das leckere, nahrhafte Essen ist sehr beliebt.

Hochwasserkatastrophe 2021 – ab 8.00 Uhr morgens gibt es Frühstück und Verpflegung

Hochwasserkatastrophe 2021 – der Esspavillon, auch liebevoll „VIP-Lounge“ genannt, ist immer gut besucht

Update 23.08.: Auch letzte Woche konnte durchgehend neben Snacks,  Kaffee, Kuchen, Kleidung und Hygieneartikeln heißes Essen angeboten werden. Und der Bedarf an einer Auszeit und abwechslungsreichem, wohlschmeckendem und sättigendem Essen ist ungebrochen groß. Schon ab 8.00 Uhr morgens bilden sich Warteschlangen. Dank euren und von Firmen gemachten Geld-, Lebensmittel- und Sachspenden in Verbindung mit der ehrenamtlichen Tätigkeit von „Das Flammenwerk“ aus Köln, der HelferInnengruppe um Frank Wirfs und den Landfrauen am Verteiler „Am Schwimmbad“ konnte der Verteiler weiter betrieben werden. Allein vom Flammenwerk werden täglich bis zu 450 heiße Essen, auch Salat und Nachtisch aus Köln angeliefert. Vielen herzlichen Dank an euch für die Spenden!

Hochwasserkatastrophe 2021 – Hiltrud und Persida im Verteiler-Zelt

Hochwasserkatastrophe 2021 – Malzgulasch mit leckeren Kartoffeln, Tomaten- und Obstsalat vom 13.08.2021

Die 12,5-jährige Mini-Hundedame „Bijou“ begleitet täglich ihr Herrchen zum Verteiler. Die Freude ist groß, wenn sie angetrippelt kommt.

Hochwasserkatastrophe 2021 – Hundedame Bijou (12,5 Jahre)

Update 17.08.: Heute gab es am Verteiler Schweinebraten und Gemüse-Übereinander, Tomaten- und Obstsalat von „Das Flammenwerk“ aus Köln und eine dicke Graupensuppe mit Gemüse von den Landfrauen. Außerdem im Gepäck hatten wir von Vita-Oeconomica beigesteuerte Müsli-Riegel, Kuchen, Kaffeesahne und Zucker von lieben SpenderInnen, sowie Kinderbekleidung von Pauline, 4, die zusammen mit ihrer Mama Kleidung aussortiert hatte. Und neulich € 1,77 mit ihrem Bruder Josef, 7, für die notleidenden Menschen gespendet hat. Ist das nicht wunderbar?

Hochwasserkatastrophe 2021 – Leckerer Braten mit Gemüse, Salat und Obstsalat von „Das Flammenwerk“ aus Köln

Obwohl wir auf der Autobahn sehr schnell durchgekommen und früher da waren, wartete schon eine Schlange Hungriger sehnsüchtig vor der geliebten Feldküche und wir von “ Vita Oeconomica“ und „Das Flammenwerk“  wurden von euch tlws. schon bekannten HelferInnen wie Olli und Brigitte, Iris und Hiltrud am Proviantzelt und anderen sowie den Gästen mit großem Hallo begrüßt.

Hochwasserkatastrophe 2021 Kaffee, Getränke und Snacks. Heute waren Iris und Hiltrud im Einsatz

Auch wenn wir in Eile sind, da das heiße, frisch gekochte Essen in Köln aufgeladen und nach Bad Neuenahr-Ahrweiler transportiert werden muss und wir Hotboxes und Schalen für den nächsten Tag nach Köln zurückbringen müssen, helfen wir nebenher immer auch am Verteiler, so gut wir können. Heute will ich euch von einer Dame erzählen, die etwas verloren dastand; ich sprach sie an, ob sie denn etwas essen wolle. Da kullerten schon die Tränen und sie erzählte mir, dass sie nichts mehr herunterbringen würde und nur noch traurig sei. Ich nahm diese ältere, mir völlig unbekannte Frau, in den Arm, wusste nicht, was ich sonst tun sollte. Schließlich fanden wir ein Plätzchen im Essenszelt mit anderen Damen für sie, sie bekam von mir einen Obstsalat und ein Schokolädchen und fühlte sich sichtlich besser in der Gesellschaft am Tisch. – Manchmal passt irgendwie alles zusammen und ich traf später an der Kaffeeausgabe den pansionierten ev. Pfarrer Uwe Heubach, der als ehrenamtlicher Seelsorger mobil unterwegs ist und bei uns gegessen hatte. Wir hatten ein sehr positives, leider viel zu kurzes Gespräch, miteinander. Heute wurde ich mit der seelischen Not hautnah ganz massiv konfrontiert – das ist mir besonders unter die Haut gegangen. – Weniger Dixie-Klos und weniger Schutt entlang der Straßen, dafür z. T. Wasser und Strom – diese Fortschritte lassen sich langsam erkennen. Bei den Traumata der Menschen müssen wir noch sehr genau hinsehen!

Hochwasserkatastrophe 2021 – „Unser“ lieber Olli, Helfer und Mit-Organisator der ersten Stunde

Update 10.08.: Die private Verteilerstelle „Am Schwimmbad 3“ im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr-Ahrweiler, Stadtteil Bachem, ist fast 4 Wochen nach der Flutkatastrophe vom 14. auf den 15. Juli 2021 für viele Menschen eine Art „Heimat und Zufluchtsort“ geworden, wo sie gerne hingehen, um etwas Kraft zu tanken, Hilfsangebote zu erhalten oder anzubieten und sich auszutauschen. Das gemeinsame Essen mit Betroffenen und HelferInnen gibt etwas Halt und Tagesstruktur und ein Stückchen Normalität zurück. Und wenn unsere Anna mit ihrer sonoren Stimme „Es ist noch Suppe da“ anstimmt, dann wird auch mal herzlich gelacht.

Jupp und seine Frau aus Koblenz helfen seit Wochen tatkräftig mit und sind durch ihre hilfsbereite Art eine echte Bereicherung

Alle lieben das heiße leckere Essen und die Desserts  von „Das Flammenwerk“ aus Köln sowie die nahrhaften Eintöpfe und Suppen der Landfrauen

Wassertanks. Die meisten Anwohner haben  immer noch weder Strom noch Wasser zuhause

Heute traf ich wieder Olli, ein mir mittlerweile gut bekanntes Gesicht, vom Helferteam der 1. Stunde, der den für die Bevölkerung günstig gelegenen Verteiler-Platz mit aufgebaut und die letzten 3 Wochen täglich viele Stunden vor Ort geholfen und Vieles mitorganisiert hat. Der Malermeister musste wieder zur Arbeit; er kommt aber weiterhin regelmäßig am frühen Nachmittag und hilft überall am Verteiler. Er erzählte mir von der großen Dankbarkeit und Hilfsbereitschaft, aber dass auch immer wieder weinende Leute gekommen seien, die gestreuten Gerüchten aufgesessen seien, dass der Stand geschlossen werde. Entwarnung. Es gibt leider Störenfriede, die Hilfskräfte und Organisationen attackieren und stören, Falschinformationen verbreiten und selbst impfwillige Menschen vor dem Impfzentrum werden nicht in Ruhe gelassen, sondern belästigt und beschimpft. – Leider gibt es Menschen, die die Katastrophe für ihre eigenen perfiden Ziele und fehlgeleiteten Gesinnungen ausnützen und traumatisierte Menschen für ihre Zwecke missbrauchen wollen.

Mehr als traurig ist auch, dass  schon Hilfsgüter und Lebensmittel nachts aus dem nahe gelegenen Warenlager gestohlen worden sind.  Sehr positiv ist, dass es in der Zwischenzeit am Verteiler professionelle Tanks mit Wasser- und Trinkwassertanks gibt.

Ab 12.30 wird das heiße Essen von „Das Flammenwerk“ täglich ausgegeben

Update 3.08.: Derzeit werden dringend Batterien (1,5 V), Teelichter, Streichhölzer benötigt. Viele Menschen haben immer noch weder Strom noch Wasser im Haus.

Hochwasserkatastrophe 2021

Von Michael und Patricia Steppuhn von „Das Flammenwerk“ in Köln habe ich weiter unten bereits berichtet. Nach wie vor bereitet das Team ehrenamtlich mit Spendengeldern und aus eigenen Mitteln täglich neben ihrem Tagesgeschäft bis zu 250 Portionen heißes Essen für den Verteiler „Am Schwimmbad 3“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler zu. Außerdem werden Obst, Getränke, Lebensmittel, Kuchen, Hygieneartikel und Anderes von „Das Flammenwerk“ geliefert. Beim heißen Essen übertrifft sich Frank, der begnadete Koch, mithilfe seiner HelferInnen täglich selbst und zaubert die leckersten Essen, wie z. B. köstliche Lasagne, Hackbraten mit Kartoffelgratin, Strudel etc. All das wird ehrenamtlich vom Fahrdienst rund um Anna pünktlich von Köln nach Bad Neuenahr-Ahrweiler angeliefert. Nahrhafte vegetarische Eintöpfe und Suppen für die Gulaschkanone werden u. a. von den Landfrauen und einem Fischfachgeschäft aus Bonn gespendet. Im Warenlager fand ich u. a. liebevoll beschriftete Gläser frisch gekochter Marmeladen, das hat mich zu Tränen gerührt. Im Kühlwagen fanden sich großzügige Kuchenspenden der Fa. Erlenbacher, Fassbrausen namhafter Brauereien, alkoholfreies Bier, Wasser, Schorlen, Cola u. v. m. – Es sind ja so viele Menschen zu versorgen, die gerne genau hierherkommen. –

Hochwasserkatastrophe 2021 – Gäste und HelferInnen an Frank Wirfs (ganz hinten zwischen den hochgeklappten Deckeln) privater Gulaschkanone und Ausgabepavillon im Hintergrund

Heute konnte ich auch Frank Wirfs kennenlernen, der von der ersten Stunde an selbstlos und unermüdlich ganz privat und ehrenamtlich die Ausgabestelle ins Leben gerufen hat. Die famose Gulaschkanone, der Kühlwagen, das Notstromaggregat und alles Drum und Dran stammen zum Großteil aus seinem Privatfundus. Er hat ein großes ehrenamtliches Team von HelferInnen zusammengestellt, das über einen Chat mit Einsatzplan für die verschiedenen Hilfstätigkeiten verfügt und organisiert Hilfslieferungen und Einsätze am Verteiler rund um die Uhr. Das klappt hervorragend und unbürokratisch. Von morgens 8.00 bis spätabends wird hier kostenlos heißes Essen verteilt. Frühstück, Mittag- und Abendessen. Kaffee und Kuchen, belegte Brote, gekochte Eier und noch viel mehr. „Am Schwimmbad 3“ ist ein Ort, an dem sich alle wohl fühlen und jede/r willkommen ist.

Die den ganzen Tag hart arbeitenden Helfer und Anwohner freuen sich über wohlschmeckende, nahrhafte und abwechslungsreiche Gerichte. Die Gäste sagen: „Hier fühlen wir uns wohl. Hier kümmert man sich um uns. Hier hilft man uns. Hier gibt es super Essen. Hier sind alle freundlich und hilfsbereit. Wir sind so dankbar, dass es euch gibt!“ Im Essenszelt lernt man einander kennen und tauscht sich aus. Und Frank Wirfs hilft auch dabei, Geräte und Werkzeuge auszuleihen und HelferInnen zu organisieren.

Niemand weiß genau, wie lange dieser wunderbare Verteilerstand bestehen bleibt. Gebraucht wird er dringend, was der große Zustrom an Menschen täglich unter Beweis stellt. Michael Steppuhn und Team kochen, organisieren und fahren aus, so lange sie können und dürfen. Dasselbe gilt für Frank Wirfs, seine Familie, sein Team, Fabio Lauria, Stefan Dilly und all diejenigen, die anpacken, solange sie diesen Platz „Am Schwimmbad 3“ nutzen dürfen. Und neben ihrer Eigenleistung bedarf es regelmäßiger Spenden von hilfsbereiten Menschen. Aus Solidarität. Jeder Euro zählt. Wenn ihr spenden wollt, findet ihr unten im Artikel die Bankverbindung.

Michael Steppuhn mit Team und auch Frank Wirfs mit Team und allen HelferfreundInnen arbeiten ehrenamtlich unbeirrt weiter, ganz privat, von Anfang an ohne lange herumzudiskutieren. Sie machen einfach und packen an. – Auch wenn es leider manche Rückschläge zu beklagen gibt. – Wie gemein können Menschen aus direkter Nachbarschaft nur sein, indem sie nachts Leergut in großem Stil klauen – glücklicherweise wurde die Täterin bald ermittelt.

Hochwasserkatastrophe 2021 – Anni hat alles im Blick und legt Brot und Kuchen nach

Unter den zahlreichen HelferInnen lernte ich heute u. a. Anni, die „gute Seele“ am Ausgabezelt kennen, die mit dem Team um Frank Wirfs bei jedem Wetter unermüdlich für Nachschub an Kaffee, Broten, Brotbelägen, Hygieneartikeln, Kuchen, Schokolade und Getränken sorgt. Für jeden Gast hat sie ein gutes Wort, gibt den Kindern ein kleines Spielzeug mit, findet in ihrem Fundus auch mal ein paar passende Gummistiefel und tut den Gästen und Helfern mit ihrer liebevollen, bescheidenen, tröstenden und hilfsbereiten Art einfach gut. Thomas, ein HR-Manager aus München und Sebastian helfen seit Tagen überall, wo es notwendig ist. Sie holen Nachschub aus dem Kühlwagen, füllen Getränke auf, bringen Toilettenpapier zu den Dixies. Susanne und Brigitte geben seit Tagen stundenlang unermüdlich Essen an der Gulaschkanone aus. All die vielen HelferInnen kann ich leider namentlich nicht erwähnen.

Hochwasserkatastrophe 2021 – Anni versorgt einen der Gäste mit Lebensmitteln und Kaffee

Unter den Gästen traf ich Tobias, einen Lehrer aus Stuttgart, der während der großen Ferien Schutt und Schlamm mit wegräumt und in einer kleinen Pansion außerhalb wohnt. Er ist immer da, wo er gebraucht wird. Außerdem lernte ich Ursula, Mutter von kleinen Zwillingsbuben und einem Mädchen kennen. Sie kommt von Anfang an gerne hierher zum Essen, weil „es toll schmeckt und alle soooo lieb sind“. Wir kamen miteinander ins Gespräch und sie erzählte mir folgende, herzzerreißende Geschichte: sie und ihr Mann wachten in besagter Nacht durch lautes Getöse auf und konnten sich und ihre Kinder gerade noch ins obere Stockwerk ihres Hauses retten. Als sie am Morgen nach der Flut verzweifelt nach draußen ging und auf apokalyptische Zustände traf, sah sie ein Privatfahrzeug zwischen all dem Schlamm und Schutt auf sie zufahren. Der Fahrer hielt an und fragte sie, ob sie Hilfe brauche und bot ihr eine Flasche Wasser an. – Sie erzählte mir, dass sie sich trotz der irrealen Situation das Kennzeichen des Wagens gemerkt habe und diese erste Hilfe und Geste der Hilfsbereitschaft niemals vergessen werde. – 10 Menschen haben alleine in ihrer Straße ihr Leben verloren. Sie sei einfach nur glücklich, dass ihre Familie und sie überlebt haben. Alles andere würde sich irgendwie regeln. – Hauptsache leben!

Hochwasserkatastrophe 2021 – Ursula mit Tochter, Zwillingsbuben und Schwiegermama (*Foto mit Einwilligung von Ursula veröffentlicht)

Update 31.07. : Es wird dringend u. a. auch Flüssigwaschmittel benötigt, da an der Verteilerstelle „Am Schwimmbad 3“ auch auf eine mobile Waschstelle verwiesen wird. Und ihr könnt euch vorstellen, wie wichtig das für die Flutopfer ist, die gerade mal noch das besitzen, was sie am Leib tragen und auch für die HelferInnen, die tlws. in Sammelzelten wohnen. Nehmt also bitte Kontakt mit mir auf (wir können größere Mengen abholen)  oder spendet (s. bitte unten).

Hochwasserkatastrophe 2021 – Hilfsbereit zu jeder Zeit – Essenstransport nach Bad Neuenahr-Ahrweiler

Heute habe ich eine Hilfslieferung von „Das Flammenwerk“ Köln begleitet und möchte euch von meinen bisherigen Erfahrungen berichten. Meine Freundin Anna, im Übrigen eine tolle Autofahrerin, und ich holten das Essen in der Kantinenküche von „Das Flammenwerk“ ab. Ca. 230 Portionen wurden in großen Edelstahlbehältern in Hotboxes gepackt. Der Inhaber Michael Steppuhn, Frank, der Koch, und ihr Team hatten ein sehr leckeres Essen vorbereitet.  Heute Kartoffelgratin mit Hackbraten und Sauce. Hinzu kam kistenweise frisches Obst. Und auch eine große Kiste voller Hygieneartikel. Die Hilfsgüter werden u. a. in einem nagelneuen, von Toyota Auto Levy Köln für die Dauer der Transporte kostenlos zur Verfügung gestellten Transporter befördert.

Hochwasserkatastrophe 2021 in NRW – Lieferwagen von Toyota

Michael Steppuhn und seine Frau Patricia, die Inhaber von Flammenwerk, beliefern mit ihrem Team täglich die „Verteilerstelle Am Schwimmbad 3“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit frisch gekochtem, heißen Essen und weiteren Hilfsgütern. Die „Verteilerstelle Am Schwimmbad 3“ wird von der Familie Wirfs, Frank Wirfs, Fabio Lauria, Stefan Dilly und ihren tatkräftigen HelferInnen ehrenamtlich gemanagt.

Hochwasserkatastrophe 2021 in NRW – Vorratszelt

Hochwasserkatastrophe 2021 – Hilfsbereit zu jeder Zeit – Furchtbare Bilder auf dem Weg

Schon einige Kilometer vor Bad Neuenahr-Ahrweiler bemerkte ich den festgetrockneten Schlamm auf den Fahrbahnen. Viele Laster mit Schlamm und Sperrmüll begegneten uns. Die Polizei kontrollierte die einfahrenden Fahrzeuge und wir wiesen uns als Essenslieferanten aus. – Eine immer beklemmender werdende Fahrt auf verschlammten Straßen vorbei an verwüsteten Gebäuden. Völlig verschlammte Gärten und Garagen,  meterhohe Sperrmüllberge, Wohnungen mit zerborstenen Fenstern und Türen, Schlammspuren bis ins 1. Stockwerk und darüber. Autos am Straßenrand, die kaum noch als solche zu erkennen waren. Da krampfte sich mir der Magen zusammen, auch als ich das ansonsten so beschaulich  durch den malerischen Ort plätschernde Flüsschen samt den verwüsteten Ufer sah. Ufer voller Unrat, Treibholz und Schlamm. Unvorstellbar!

Hochwasserkatastrophe 2021 – Hilfsbereit zu jeder Zeit – Die Verteilungsstelle „Am Schwimmbad 3“

Die beklemmende Stimmung änderte sich aber schlagartig, als wir mit großem Hallo von den Helfern an unserer Verteilerstelle begrüßt wurden. Schnell waren unsere Hotboxes entladen und in Behälter der von der Bundeswehr stammenden Gulaschkanone umgefüllt. Obst und Hygieneartikel wurden ins Zelt geräumt. Michael und Patricia würden später mit Getränken nachkommen.

Hochwasserkatastrophe 2021 – Abladen von Hilfsgütern und heißem Essen von „Das Flammenwerk“ aus Köln

Hochwasserkatastrophe 2021 – Hilfsbereit zu jeder Zeit – im Gespräch mit den Menschen in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Ich war echt geflasht, wie wunderbar Familie Wirf und HelferInnen den Verteilungsplatz eingerichtet haben. Noch nie zuvor hatte ich eine Gulaschkanone gesehen. Ein echtes gasbetriebenes Monstrum, in dem das Essen mit Gas heiß gehalten bzw. aufgewärmt oder gekocht wird. – Neben der Gulaschkanone wurden unter Pavillons Sitzgelegenheiten an Tischen geschaffen, wo sich AnwohnerInnen und HelferInnen ausruhen und ihr Essen und ihre Getränke genießen und hoffentlich Kraft tanken können. In der Zwischenzeit konnte Frank Wierfs ein neues, wetterfestes Zelt organisieren, da der alte Pavillon zusammengebrochen war.

Hochwasserkatastrophe 2021  – einige Helfer an der Gulaschkanone mit Anna, unserer ehrenamtlichen Fahrerin und Olli mit Helferteam

Fließendes Wasser zum Händewaschen und Desinfektionsmittel standen auch bereit. Auch eine Wunschtafel steht bereit, wo Betroffene um Hilfe bitten können. Ich lernte gleich eine Gruppe von Elektrikern kennen, Menschen, die sich voller Dankbarkeit ihr Essen holten. Weitere Hilfskräfte holten sich nach vielen Stunden harter Arbeit ein Essen und gönnten sich eine kleine Auszeit. Außerdem kam ich mit Marina aus Schleswig Holstein ins Gespräch, die statt Urlaub zu machen, 2 Wochen mit ihrem Mann, der Elektriker ist, hilft. Sie wohnt z. Zt. in einer Zelt-Sammelunterkunft oberhalb des Ortes.

Als die Gäste und HelferInnen das köstliche von Koch Frank und dem „Das Flammenwerk-“ Team gezauberte Essen sahen, bekamen alle leuchtende Augen und es herrschte eine fast schon ausgelassene, fröhliche Stimmung.

Außer dem Essen von „Das Flammenwerk“ wurde eine sehr leckere Fischsuppe angeboten, die ein Fischhändler aus Bad Godesberg gespendet hatte.  Allein diese Momente des kurzen Vergessens und der Vorfreude aufs gemeinsame Essen miterlebt zu haben, zeigen mir, wie wichtig es ist, diesen Beitrag für meine lieben LeserInnen zu schreiben. Als Anerkennung für die vielen helfenden Hände, die tagtäglich einen Hauch von Normalität ins Leben der Verzweifelten bringen und ihnen helfen, die Hoffnung nicht zu verlieren und ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleingelassen werden!

Hochwasserkatastrophe 2021 in NRW – Hilfsbereit zu jeder Zeit – Wie ihr persönlich helfen könnt

Michael Steppuhn von „Das Flammenwerk“ wurde seit dem Ausbruch der Pandemie finanziell sehr gebeutelt und schafft es trotzdem, mit seinem ehrenamtlich für Bad Neuenahr arbeitenden Team, täglich ca. 200 – 250 Essen vorzubereiten und zu spenden. Neben seinen eigenen Mitteln bekommt er noch Lebensmittelspenden von befreundeten Gastronomen, ein Auto für die Lieferungen von Toyota, und auch Geldspenden von Kollegen und Privatleuten. Bis heute sind ca. € 8.000,–  (Stand 11.08.2021) eingegangen, von denen Stand 13.08.2021 noch ca. € 3.200 vorhanden sind. Bitte tragt auch ihr dazu bei, dieses wunderbare Hilfsangebot zu weiterhin zu ermöglichen. Geldspenden für Lebensmittelkäufe, Energiekosten und Sprit für die täglichen Transporte, seien sie auch noch so klein, sind herzlich willkommen (ich selbst freue mich sehr auf euer Feedback und Hilfsangebote hier auf dieser Seite):

  • Verwendungszweck: Vita Oeconomica Flutkatastrophe
  • Papypal: michaelsteppuhn@web.de
  • Banküberweisung auf Spendenkonto:
    Michael Steppuhn Köln,  DE78 380 6018666 05727032

Hochwasserkatastrophe 2021 – Helfer-Shuttle

Da die Straßen immer noch vollgestellt sind, ist es besser, wenn ihr als Helfer eure Privatfahrzeuge draussen lasst. Es gibt einen Shuttle, wo ihr euer Auto sicher stehen lassen und bequem mit dem Shuttle Bus (Abfahrt von 9.00 – 12.00 Uhr) ins  betreffende Gebiet, auch zu den betroffenen Weingebieten mitfahren könnt. Ihr erfahrt auf dem Link auch, was ihr mitbringen solltet. Verpflegung wie Wasser, Obst, Brötchen etc. bekommt ihr am Helfer-Shuttle. Ihr könnt euch als Flut-HelferInnen beim Fluthelfer-Portal wie folgt anmelden

Bei all dem Leid durch die Flutkatastrophe dürfen wir aber nicht die Institutionen vergessen, die das ganze Jahr über mit vielen ehrenamtlichen HelferInnen dazu beitragen, Menschen, denen es weniger gut geht, regelmäßige, verlässliche Angebote anzubieten. Wie ihr ja wisst, arbeite ich ehrenamtlich beim Deutschen Sikh Verband e. V. , der Tafel und einem Fairteiler mit. Über diese Arbeit und wie ihr helfen könnt, könnt ihr euch in meinem Artikel „kostenloses Essen für Bedürftige in Köln“ informieren.

Über Foodsharing könnt ihr auf diesem Blog ebenfalls mehr erfahren.

14 Mai

Juttas Suppenküche e. V. in Köln – seit 1997

Juttas Suppenküche in Köln seit 1997

Juttas Suppenküche e. V. auf der Domplatte  wurde 1997 von Jutta Schulte ins Leben gerufen und verteilt direkt gegenüber dem Kölner Dom vor dem Domforum bei jedem Wetter an jedem 2. Freitag im Monat ab 15.00 Uhr ein kostenloses, warmes Essen, von Firmen gespendete Lebensmittel und Tiernahrung, aber auch – wenn vorhanden – Kleidung u. v. m. an Bedürftige. – Stopp Kölsche, Touristen, Alle! Geht nicht einfach vorbei. Bleibt stehen und helft, wenn ihr helfen könnt. Auch Zuhören hilft!

Juttas Suppenküche e. V. in Köln – seit 1997 – die Lebensmittel werden sorgsam aufgestellt

Wie ich von Juttas Suppenküche e. V. erfahren habe und meine Begegnung mit einem Wohnungslosen

Als ich gestern am Fairteiler bei der alten Brandschutzdirektion nahe Ebertplatz ein paar Lebensmittel gegen ein Vollkornbrot tauschte, waren die mitgebrachten Sachen ratzfatz weg. Vor allem ein paar Tütchen Fertigcappucino, die ich in der Apotheke geschenkt bekommen hatte, erfreuten sich größter Beliebtheit. Warum? Weil Menschen ohne Wohnsitz, die regelmäßig den Fairteiler besuchen, absolut scharf darauf waren! – Ich kam mit einem Herrn ins Gespräch und wir unterhielten uns über eine Stunde. Ich an ein kvB-Fahrrad, das mit Monatsabo seit 1.03.2018 kostenlos ausgeliehen werden kann, und er an sein schon älteres Rad, an dem ein halbes Pedal fehlt, gelehnt.

Selten habe ich mich mit einem mir völlig fremden Menschen in so kurzer Zeit so intensiv über wirklich sehr persönliche Dinge unterhalten. Ich bin ja ein Mensch, der gerne hinter die Kulissen schaut und so lange nachbohrt, bis mein Wissensdurst gestillt ist. Ich sagte dem Mann, er brauche nicht zu antworten, wenn die Fragen zu indiskret seien, worüber er lachte. Ich sagte ihm ganz offen, dass er trotz seines Lebens auf der Straße doch relativ gepflegt auf mich wirke. Daraufhin erzählte er mir über seinen Alltag und wie er sein Leben in Köln als Wohnungsloser gestaltet. Er ist 65 Jahre alt und lebt, seit er 36 Jahre alt ist, mit einigen Unterbrechungen auf der Straße. Auf eigenen Wunsch. Er erhält keinerlei finanzielle Unterstützung und verfügt durch etwas Pfandflaschen sammeln am Wochenende und kleine Hilfsleistungen für Bedürftige, wie z. B. einfache Fahrradreparaturen, über ungefähr 30,– EURO Bargeld im Monat. Damit sei er zufrieden. Den skurrilen Ort, wo er sich und seine Wäsche im Eimer wäscht, verrate ich nicht. Im Winter habe er mehrere Schichten Kleidung an, da wäre es schwieriger, bis das alles unten sei. Ihm ginge es aber gut, sagt er, er habe draussen unter einer Plane einen festen Platz zum Schlafen, den er sich recht gemütlich eingerichtet habe. Dort sei er geduldet und ein Restaurant in der Nähe versorgt ihn sogar regelmäßig mit übrig gebliebenem Essen und habe ihm sogar schon auf seinen Wunsch hin etwas aus mitgebrachten Zutaten zubereitet. Er revanchiere sich durch Mithilfe im Außenbereich, da er sich mit Gartenarbeit gut auskennt. – Einzig vor 2 Jahren habe er sich das Bein gebrochen und nach 10 Tagen im Krankenhaus hätte er 4 Wochen bei seinem Sohn unterkommen können; aber danach sei es doch einige Monate noch schwierig gewesen bis der Bruch vollständig ausgeheilt war. – Er meinte, dass man alles organisieren könne. Er habe ja Zeit und könne dadurch auch viele kostenlose Termine wahrnehmen. Er sei sogar schon mehrmals für einige Tage in Urlaub gewesen, von einem Kloster würde das jedes Jahr angeboten werden. Er helfe dort im Klostergarten. Und Opa sei er auch. Das dritte Enkelkind, ein Mädchen, werde demnächst geboren.

Mein Blog „Vita Oeconomica“ wendet sich auch besonders an Menschen mit geringerem Einkommen und ich war erstaunt über das Wissen dieses Mannes, kostenlos oder für wenig Geld an Lebensnotwendiges zu kommen. Er hat sämtliche Termine und Orte im Kopf, wo z. B. Lebensmittel oder warme Mahlzeiten kostenlos verteilt werden, wo es günstige Kleidung gibt oder wie Menschen mit Köln Pass, Behinderung oder bedürftige Alte mit kleiner Rente kostenlose Kulturangebote genießen können. Ich habe gemerkt, dass er sehr an Kultur interessiert ist und Fan eines ganz bestimmten Museums ist.

Gelegentlich bekommt er Lebensmittel, die für seine Lebenssituation nicht so gut geeignet sind, da er dort, wo er „wohnt“ leider nicht kochen kann. Diese tauscht er dann gegen für ihn besser geeignete. Einen richtig guten selbst gemachten Kartoffelsalat – den würde er sich mal wieder wünschen. (Diesen Wunsch werde ich ihm mal als Überraschung erfüllen. Und ein gebügeltes Hemd dazu legen; denn ich weiß ungefähr, wo er „wohnt“).

Über Juttas Suppenküche e. V. in Köln seit 1997

Er erzählte mir, dass freitags alle 2 Wochen eine kostenlose Essensverteilung auf der Domplatte, direkt vor dem Domforum, stattfinde. Juttas Suppenküche sei sein nächstes Ziel an diesem Tag. Eine warme Mahlzeit, vielleicht noch ein paar Lebensmittel mitnehmen. Ich solle doch mitkommen. Spontan fuhr ich gegen 15.00 Uhr nach zur Domplatte. Ich wollte unbedingt Jutta sehen und schauen, ob die Suppenküche ein Fall für Vita Oeconomica sein könnte. Zunächst dachte ich ja, es würde jemand auftreten, da sich eine große Menschentraube gebildet hatte. Doch als ich näher kam, entdeckte ich vor einem zwischen Laternenmasten angebrachten Absperrband in einer langen Reihe sitzende Rollstuhlfahrer oder auf dem Rollator sitzende, aus Plastikschalen essende, Menschen. Andere saßen auf dem Mäuerchen oder standen um die Ecke, ebenfalls mit Eintopf und Brötchen. Hinter dem an drei Seiten hängenden Absperrband waren Kisten voller Lebensmittel sauber in Reih und Glied aufgereiht und am Eingang der Absperrung schöpfte mit einer langen Suppenkelle eine quirlige Frau in Fleecejacke: die besagte, legendäre „Jutta“ (die Suppenküchengründerin Jutta Schulte), die den Verein seit 1997 am Leben erhält und managt, mit einigen Helfern aus einem auf einem Klapptisch stehenden großen Topf den von Peters Brauhaus gespendeten Eintopf in Plastikschalen.

Juttas Suppenküche in Köln - seit 1997

Juttas Suppenküche e. V.  in Köln – seit 1997 – geht nicht einfach weiter.

Auch mir wurde völlig unbürokratisch Eintopf angeboten, was ich jedoch ablehnte, da ich ja nur gekommen war, um mich zu informieren und nicht um jemanden das Essen wegzufuttern. Ich stellte mich also bei Jutta und einigen ihrer HelferInnen vor und fragte, ob ich einige Fotos machen und in meinem Blog über dieses Angebot berichten dürfte. „Aber klar“, kam die Antwort sofort „und wir sind alle hier per Du“. Die Gesichter einiger zunächst etwas skeptisch dreinblickender HelferInnen wurden freundlich und ich hatte das Gefühl, dass sich einige Akteure gerne fotografieren ließen und stolz auf ihre Arbeit waren. Zu Recht! Die Helfer waren sehr beschäftigt. In der kurzen Zeit konnte ich erfahren, dass es langjährige, treue HelferInnen gibt und natürlich immer gerne neue willkommen sind. Die große Zahl Hilfsbedürftiger sei stets gewachsen, die Zahl der Obdachlosen, die regelmäßig kommen, habe sich zwar verringert, aber es seien stetig mehr Menschen mit geringem Einkommen, Hartz IV-Empfänger, Rentner mit zu geringer Rente, Behinderte und auch immer mehr Flüchtlinge hinzu gekommen. Ein großes Lob an dieser Stelle an die Betreiber des Domforums, die das rege Treiben vor ihrer Einrichtung dulden und die großzügigen Spender!

Juttas Suppenküche in Köln – seit 1997 – das gespendete Lebensmittelangebot ist sehr umfangreich und wird fein säuberlich für den Andrang vorbereitet

Auf einer Seite unter den Säulen entdeckte ich viele Menschen, die mit ihrem Hackenporsche oder Taschen da waren und kam auch mit ihnen schnell ins Gespräch. Darunter befand sich eine Frau, die an diesem Tag 55 Jahre alt geworden war und auf Erdbeeren als Obstspende hoffte, da sie sich am Sonntag zum Geburtstag und Muttertag einen Erdbeerkuchen machen wollte. Ihre Begleiterin erzählte mir, sie sei 58 Jahre alt und habe 2 Jahre lang gebraucht, bis sie sich getraut habe, öffentlich auf der Domplatte um Essen anzustehen. Sie habe sich zu sehr geschämt, aber mit ihrer Bekannten ginge es leichter. – Am liebsten hätte ich laut losgeheult und all den Wartenden ein fettes Stück Erdbeerkuchen mit gaaanz viel Sahne spendiert und das Geburtstagskind hochleben lassen. – Spätestens da beschloss ich, hier auf meinem Blog auf die Armut mitten in einer deutschen Großstadt hinzuweisen und Menschen zu bitten, Juttas Suppenküche zu unterstützen. Und ungenutzte Schlafsäcke und Isomatten meines Sohnes Jan aus dem Keller zu holen und zu spenden. Es war mittlerweile nach 15.00 Uhr und manche waren schon seit 9.15 Uhr bzw. 11.00 Uhr da; denn bei Juttas Suppenküche gibt es eine ganz bestimmte Abfolge, die keinerlei Ellbogentaktik unterstützt und an die sich alle halten, wie ich bei meinem Besuch beobachten konnte. Versucht jemand, sich vorzudrängen, hat Jutta dies ganz schnell im Blick und beendet den Versuch ratzfatz mit Nachdruck. Es werden laminierte Nummern verteilt. Die Bedürftigen bekommen einen dicken schwarzen Punkt aufs Handgelenk gemalt und wenn das Essen in einer bestimmten Choreographie (zuerst die „Rollis“ und Obdachlosen) verteilt ist, werden die Wartenummern aufgerufen und die Lebensmittel und andere Dinge, sofern vorhanden, verteilt.

Die geduldig wartenden Menschen dürfen sich dann aus dem erstaunlich vielfältigen Lebensmittelangebot einiges aussuchen. Wer also früh da ist, hat eine größere Auswahl. Ich sah Gemüse, Quark, Joghurt, abgepackten Käse und Wurst, Kakao in Flaschen, eine Palette Chips und sogar Tiernahrung und Einiges mehr. Die Lebensmittel werden regelmäßig gespendet. Es handelt sich um einwandfreie, frische Ware oder kurz vor MHD. Es werde aber auch ab und an Kleidung, wärmende Decken und Schlafsäcke für auf der Straße lebende Menschen verteilt. Sogar neue Schuhe, für Manche die ersten neuen ihres Lebens, habe man schon für wenig Geld kaufen und verteilen können. Auch die Tiere Wohnungsloser werden durch Tierfutterspenden mitversorgt. Ein Tierarzt unterstützt den Verein ebenfalls tatkräftig. Und mit den Spenden kauft Jutta, was am allerdringendsten benötigt wird und bezahlt oftmals sogar aus eigener Tasche. Die „Suppe“ bzw. der Eintopf wird von Peters Brauhaus am Alter Markt frisch gekocht und gespendet und wird von den Helfern abgeholt.

Wie könnt Ihr Juttas Suppenküche e.V. helfen?

Voller Enthusiasmus und völlig unaufdringlich sammelten 2 Frauen Spenden für Juttas Suppenküche. Und für mich war absolut klar: meine Latte und Auszeit in einem meiner Lieblingscafés nebst Leute gucken bei dem schönen Wetter würde heute ausfallen; ich hätte es nie übers Herz gebracht, dieser engagierten, wunderbaren Organisation, die seit Jahren unbürokratisch regelmäßig dort hilft, wo der Hunger brennt und die Not groß ist, während unsere PolitikerInnen ewig lang in piekfeinen Schlössern, bei der Zugspitze oder in Hotelpalästen sondieren und diskutieren, nicht wenigstens ein paar EURO zu spenden.

Juttas Suppenküche – mit den gesammelten Spenden wird das Allernötigste dazugekauft.

So saß ich später halt mit meinem mitgebrachten kalten Tee auf einem Mäuerchen und beobachtete ohne Latte das erstaunlich gesittete, durchorganisierte, bunte Treiben vor dem Dom. Mir wurde fast schwindelig von all den Gegensätzen, die ich sah: auf der einen Seite durchgestylte, Selfies machende Menschen aus aller Welt und ein paar Meter weiter die geduldig in einer Reihe sitzenden, wartenden Rollstuhlfahrer, hungrige Menschen mit Eintopf in der Hand und Leute mit Hackenporsche und Einkaufstaschen. Ja, die Domplatte hat schon seit Jahrhunderten viel gesehen. Aber wahrscheinlich selten so viel Hilfsbereitschaft wie von Juttas Suppenküche e. V.  Allein die Erinnerung an den Anblick der langen Warteschlange tut mir heute noch weh und rührt mich zu Tränen. Und deshalb sitze ich jetzt hier und schreibe diesen Artikel, damit ihn ganz viele Menschen lesen können, die Juttas Suppenküche etwas Gutes tun können und wollen. Wie ihr spenden könnt und sogar eine Spendenquittung fürs Finanzamt bekommt, erfahrt ihr weiter unten.

Wer nichts spenden kann, kann Bedürftige auf dieses Angebot hinweisen und sie dazu animieren, sich nicht zu schämen und zu Jutta zu gehen. Und helfende Hände können Jutta und ihr Team ebenfalls gebrauchen. Ihr könnt euch auf Juttas Website melden.

Weitere Informationen über Voraussetzungen, welcher Personenkreis Unterstützung bekommt oder wie ihr selbst helfen oder spenden könnt, erfahrt ihr hier unter „Juttas Suppenküche“.