20 Jul

Kostenloses Essen für Bedürftige in Köln

Kostenloses Essen für Bedürftige in Köln? Überhaupt im reichen Deutschland? Brauchen wir das überhaupt? Wo doch so viel Essen ständig weggeworfen wird? Einmal mehr konnte ich mich am Breslauer Platz persönlich von dieser traurigen Tatsache überzeugen. Aber auch vom tatkräftigen Tun, von Menschen, die helfen.

Mitten im Hochsommer radle ich mit meinem Rad durch die heiße Stadt vorbei an Restaurants, Cafés und Kneipen. Die Tische stehen sehr oft trotz Corona eng beisammen, die Leute sitzen vor kühlen Getränken, Eisbechern, vollen Tellern teilweise halb auf den Radwegen. Passanten, Rad- und Autofahrer kämpfen auf dem heißen Asphalt ums Vorwärtskommen. Ich bin heute mit Mandeep vom Sikh Verband e. V. verabredet, der sich neulich bei mir gemeldet hat. Er ist einer der ehrenamtlichen Vertreter und Co.-Founder  des Sikh Verbandes in Köln und hat gelesen, dass ich auf diesem Blog neben Anderem versuche, Menschen mit kleinem Budget auf kostenlose oder besonders günstige Angebote aufmerksam zu machen und koche regelmäßig seit Coronaausbruch privat für Bedürftige mit. Ich möchte  mich engagieren und hoffe, meine Leser zur Mithilfe zu animieren. Um den täglichen Lebenskampf der Bedürftigen etwas angenehmer zu gestalten und die Not zu lindern.

Kostenloses Essen für Bedürftige in Köln – Ein Becher mit erfrischendem Lassi tut richtig gut

Nach unserem Telefonat lud mich Mandeep ein, mir zu zeigen, was er und seine Gruppe für Bedürftige in Köln und weiteren deutschen Städten tun. Gerne bin ich seiner Einladung gefolgt.

Als ich kurz vor 13.30 Uhr an diesem Samstag zum Busbahnhof am Breslauer Platz in Köln radle, sehe ich schon von weitem eine Schlange, die sich dort gebildet hat. Frauen und Männer in weißen T-Shirts mit dem Aufdruck „sikhverband.de“ auf dem Rücken und Sikh-Emblem auf der Brust bauen gerade in rasanter Geschwindigkeit Tische auf, verteilen Kartons an verschiedenen Ausgabestationen.

Kostenloses Essen für Bedürftige in Köln – Schon vor 13.30 Uhr hat sich eine lange Schlange gebildet

An Tisch 1 stehen Warmhalteboxen voller vorbereiteter Portionen. Stände mit frischem Lassi, Wasserflaschen, frischem Obst und Gemüse, sogar in Bioqualität, schließen sich an. Angeboten werden grundsätzlich vegetarische, indische Gerichte. Heute gibt es ein mild abgeschmecktes indisches Linsengericht mit Reis. Später bekomme ich eine Portion zum Kosten, die ich zuhause esse. Die Portion ist schmackhaft und reichlich und es bleibt noch etwas für den nächsten Tag übrig. Das Essen ist keineswegs scharf.

Kostenloses Essen für Bedürftige in Köln – Warmes Essen aus der Warmhaltebox nach strengen Hygieneregeln

Ich frage nach Mandeep und mir wird ein Mann gezeigt, der sich gerade ein Megaphon schnappt, die Schar der Hungrigen freundlich willkommen heißt, das Menü vorstellt, die Coronaregeln kurz erklärt und um Abstandswahrung bittet. Er wünscht guten Appetit im Namen all seiner Mitstreiter und los gehts mit der Verteilung.

Kostenloses Essen für Bedürftige in Köln – Gut gelaunt eröffnet Mandeep die Ausgabe mit einem herzlichen Willkommen

Ich stelle mich bei Mandeep und seinen KollegInnen kurz vor, frage um Erlaubnis Fotos zu schießen, unterhalte mich mit den Leuten des Sikh Verbandes und einigen Gästen und stelle dann fest, dass die heutige Ausgabe eine Kooperation zwischen dem Verband und Ori Bollerwagen ist. Vera Leseur, ihr Mann und das Team von Ori Bollerwagen verteilen seit 4 Jahren jeden 2. Samstag Essen und Getränke an Bedürftige in Köln. Vera und ihre KollegInnen bereiten heute Käsebrötchen vor, schenken Kaffee aus, verteilen Käsenachos. Wenn die Sikh Gruppe nicht da ist, wird eine warme Mahlzeit serviert. Somit erhalten die Menschen hier ein komplettes Menü, eine Zwischenmahlzeit und bei Bedarf Hygieneartikel. Vorne gehts los mit dem warmen Essen, gefolgt von Wasser, Lassi, Obst und Gemüse und dann kommt Ori Bollerwagen mit den belegten Brötchen und Kaffee und hält sogar Tütchen mit Snacks bereit. Wohnungslose und alle, die Bedarf haben, erhalten neben Essen und Trinken auch Zahnbürsten und -pasta sowie Pflegeartikel wie z. B. Deo oder Pflegetücher, Duschgel etc. Vitamintabletten und Masken habe ich ebenfalls gesehen.

Was mir nach kürzester Zeit auffällt, ist der große Respekt und die Höflichkeit, die hier jedem Gast entgegen gebracht werden. Und die Ausgabe funktioniert in rasantem Tempo. Heute hat der Sikh Verband e. V. ca. 200 warme Essen mitgebracht. Alles ist perfekt vorbereitet. Desinfektionsmittel und Masken stehen an jeder Station kostenlos zur Verfügung und es wird sehr auf die Einhaltung der Hygienevorschriften geachtet.

Heute gab es ein feines Linsengericht mit Reis, Wasser, Banane, Lassi und Gummibärchen vom Sikh Verband Deutschland e. V. Das Essen habe ich mir zuhause schmecken lassen

Die Schlange wird zügig bedient, ich stelle mich vor und komme mit den Wartenden ins Gespräch. Alle sind sehr offen. Manche, die ich über „Draussensseiter“ in der Kürze der Zeit erreichen konnte, sind zum ersten Mal da, andere freuen sich über das zusätzliche Angebot am Wochenende, insbesondere auch, weil die Tafeln gerade Sommerpause haben. Die Fairteiler sind coronabedingt leider noch geschlossen, Juttas Suppenküche verteilt zweimal im Monat vor dem Germanischen Museum, so sind der Sikh Verband und ORI Bollerwagen zentral am Busbahnhof an Samstagen eine große Bereicherung. Denn die Wartenden können sich nicht leisten, in chiquen Cafés oder Restaurants zu sitzen. Viele haben gar keine Möglichkeit, sich ein warmes Essen zuzubereiten.

Kostenloses Essen für Bedürftige in Köln – Diese Dame freut sich über das Menü und möchte wiederkommen

Kostenloses Essen für Bedürftige in Köln – Wen ich am Busbahnhof angetroffen habe

Ori Bollerwagen und der Sikh Verband haben die Not vieler Menschen erkannt und  helfen tatkräftig, statt wegzusehen. Man kann regelmäßig mit ihnen rechnen. Der Sikh Verband verteilt außerdem in weiteren Städten in Deutschland an Notleidende.

Wie sieht sich der Sikh Verband Deutschland e. V.?

Der 2013 gegründete Sikh Verband Deutschland e. V. hat sich dem Dialog zwischen Menschen verschrieben und will ein friedliches Zusammenleben zwischen allen Menschen und Kulturen fördern. Damit möchte der Verband einen Beitrag für mehr Respekt, Gleichberechtigung und Akzeptanz auf allen Gebieten der Kultur in unserer Gesellschaft leisten und die Individualität fördern. Besucht bitte die Website des Sikh Verbandes und lest dort interessante Informationen über die Entstehung der Sikhi und die Sikh Identität nach. Ich habe wirklich viel dazugelernt und kann die Lektüre wärmstens empfehlen.

Tanu, eine sehr höfliche und sympathische junge Frau, erklärte mir, dass sie ihre ehremamtliche Tätigkeit durch Spenden und Mitgliederbeiträge des Sikh Verbandes und Lebensmittelgaben diverser Händler sowie die Unterstützung von Restaurants finanzieren. Das Essen wird im Sikh Tempel Gurdwara Sri Dasmesh Singh Sabha (Köln Kalk/Buchforst) oder manchmal in Restaurantküchen vorbereitet und ist immer ganz frisch. Obst und Gemüse werden ebenfalls ganz frisch eingekauft.

Welche Arbeit leistet Ori Bollerwagen?

Foto von der Website von Ori Bollerwagen mit freundlicher Genehmigung von Vera

Ori Bollerwagen ist eine Initiative zur Unterstützung obdachloser, wohnungsloser und bedürftiger Menschen in Köln. Die Initiative unterstützt auch die Vierbeiner ihrer Gäste z. B. durch Nassfutter, Leinen, Zubehör oder hat auch schon Not-OPs der geliebten Vierbeiner mit finanziert. Vera Leseur und ihr Ehemann Thibault mit engagiertem Team verteilen seit 4 Jahren jeden 2. Samstag im Monat Essen, aber auch Gabentüten und Giveaways am Breslauer Platz. Und sie pflegen einen sehr freundlichen Umgang auf Augenhöhe mit ihren Gästen, was mir sofort sehr positiv aufgefallen ist. Manche Gäste helfen beim Aufbau tatkräftig mit, um die Initiative bei der Arbeit zu unterstützen. Ca. 10 ehrenamtliche Helfer und Organisationsgenies hat Ori Bollerwagen. Die Initiative ist ehrenamtlich tätig und finanziert sich durch Spenden und Hilfen. Nicht nur beim Lesen eines Berichts über die vierbeinigen Stammgäste hat es mir die Tränen in die Augen getrieben. Schaut bitte selbst auf der Seite von Ori Bollerwagen vorbei. Die Initiative hat es wirklich verdient, unterstützt zu werden und ihre Website mit den wunderbar geschriebenen Artikeln ist sehr lesenswert.

Kostenloses Essen für Bedürftige in Köln  – Das Team von Ori Bollerwagen verteilt regelmäßig warmes Essen, belegte Brötchen, Kaffee u. v. m.

Kostenloses Essen für Bedürftige in Köln – Termine am Busbahnhof Köln

  • Sikh Verband Deutschland e. V. am 4. Samstag des Monats von 13.30 bis 14.30 Uhr
  • Ori Bollerwagen jeden 2. Samstag im Monat ab 13.30 Uhr

Kostenloses Essen für Bedürftige in Köln – Termine am Roncalliplatz Köln

  • Juttas Suppenküche jeden 2. Freitag im Monat ab 15.00 Uhr(Näheres bitte unter Juttas Suppenküche). Ehemals auf der Domplatte, aufgrund der Corona-Pandemie z. Zt. vor dem Römisch-Germanischen Museum, Roncalliplatz 4, 50667 Köln

Kölner Tafeln – nach Stadtteilen

Auf der Ausgabestellen-Liste könnt ihr nachlesen, wo es in eurem Kölner Stadtteil eine Ausgabestelle gibt (bitte beachtet, dass nicht jeder Stadtteil eine Ausgabestelle hat). Voraussetzung für die Aufnahme bei der Tafel sind ein Nachweis über eure Bedürftigkeit durch Kölnpass, Ausweis, Rentenbescheid etc. In Porz findet sich die Senioren Tafel unter Leitung der wunderbaren Frau Karin Werner. Bedürftige Senioren ab 60 Jahren mit Köln Pass können hier Kontakt aufnehmen.

Fairteiler Köln

In meinem Artikel über Fairteiler und Foodsharing findet ihr einen Link mit entsprechenden Angaben zu den Standorten, wobei derzeit die Fairteiler coronabedingt leider geschlossen sind.
14 Mai

Juttas Suppenküche e. V. in Köln – seit 1997

Juttas Suppenküche in Köln seit 1997

Juttas Suppenküche e. V. auf der Domplatte  wurde 1997 von Jutta Schulte ins Leben gerufen und verteilt direkt gegenüber dem Kölner Dom vor dem Domforum bei jedem Wetter an jedem 2. Freitag im Monat ab 15.00 Uhr ein kostenloses, warmes Essen, von Firmen gespendete Lebensmittel und Tiernahrung, aber auch – wenn vorhanden – Kleidung u. v. m. an Bedürftige. – Stopp Kölsche, Touristen, Alle! Geht nicht einfach vorbei. Bleibt stehen und helft, wenn ihr helfen könnt. Auch Zuhören hilft!

Juttas Suppenküche e. V. in Köln – seit 1997 – die Lebensmittel werden sorgsam aufgestellt

Wie ich von Juttas Suppenküche e. V. erfahren habe und meine Begegnung mit einem Wohnungslosen

Als ich gestern am Fairteiler bei der alten Brandschutzdirektion nahe Ebertplatz ein paar Lebensmittel gegen ein Vollkornbrot tauschte, waren die mitgebrachten Sachen ratzfatz weg. Vor allem ein paar Tütchen Fertigcappucino, die ich in der Apotheke geschenkt bekommen hatte, erfreuten sich größter Beliebtheit. Warum? Weil Menschen ohne Wohnsitz, die regelmäßig den Fairteiler besuchen, absolut scharf darauf waren! – Ich kam mit einem Herrn ins Gespräch und wir unterhielten uns über eine Stunde. Ich an ein kvB-Fahrrad, das mit Monatsabo seit 1.03.2018 kostenlos ausgeliehen werden kann, und er an sein schon älteres Rad, an dem ein halbes Pedal fehlt, gelehnt.

Selten habe ich mich mit einem mir völlig fremden Menschen in so kurzer Zeit so intensiv über wirklich sehr persönliche Dinge unterhalten. Ich bin ja ein Mensch, der gerne hinter die Kulissen schaut und so lange nachbohrt, bis mein Wissensdurst gestillt ist. Ich sagte dem Mann, er brauche nicht zu antworten, wenn die Fragen zu indiskret seien, worüber er lachte. Ich sagte ihm ganz offen, dass er trotz seines Lebens auf der Straße doch relativ gepflegt auf mich wirke. Daraufhin erzählte er mir über seinen Alltag und wie er sein Leben in Köln als Wohnungsloser gestaltet. Er ist 65 Jahre alt und lebt, seit er 36 Jahre alt ist, mit einigen Unterbrechungen auf der Straße. Auf eigenen Wunsch. Er erhält keinerlei finanzielle Unterstützung und verfügt durch etwas Pfandflaschen sammeln am Wochenende und kleine Hilfsleistungen für Bedürftige, wie z. B. einfache Fahrradreparaturen, über ungefähr 30,– EURO Bargeld im Monat. Damit sei er zufrieden. Den skurrilen Ort, wo er sich und seine Wäsche im Eimer wäscht, verrate ich nicht. Im Winter habe er mehrere Schichten Kleidung an, da wäre es schwieriger, bis das alles unten sei. Ihm ginge es aber gut, sagt er, er habe draussen unter einer Plane einen festen Platz zum Schlafen, den er sich recht gemütlich eingerichtet habe. Dort sei er geduldet und ein Restaurant in der Nähe versorgt ihn sogar regelmäßig mit übrig gebliebenem Essen und habe ihm sogar schon auf seinen Wunsch hin etwas aus mitgebrachten Zutaten zubereitet. Er revanchiere sich durch Mithilfe im Außenbereich, da er sich mit Gartenarbeit gut auskennt. – Einzig vor 2 Jahren habe er sich das Bein gebrochen und nach 10 Tagen im Krankenhaus hätte er 4 Wochen bei seinem Sohn unterkommen können; aber danach sei es doch einige Monate noch schwierig gewesen bis der Bruch vollständig ausgeheilt war. – Er meinte, dass man alles organisieren könne. Er habe ja Zeit und könne dadurch auch viele kostenlose Termine wahrnehmen. Er sei sogar schon mehrmals für einige Tage in Urlaub gewesen, von einem Kloster würde das jedes Jahr angeboten werden. Er helfe dort im Klostergarten. Und Opa sei er auch. Das dritte Enkelkind, ein Mädchen, werde demnächst geboren.

Mein Blog „Vita Oeconomica“ wendet sich auch besonders an Menschen mit geringerem Einkommen und ich war erstaunt über das Wissen dieses Mannes, kostenlos oder für wenig Geld an Lebensnotwendiges zu kommen. Er hat sämtliche Termine und Orte im Kopf, wo z. B. Lebensmittel oder warme Mahlzeiten kostenlos verteilt werden, wo es günstige Kleidung gibt oder wie Menschen mit Köln Pass, Behinderung oder bedürftige Alte mit kleiner Rente kostenlose Kulturangebote genießen können. Ich habe gemerkt, dass er sehr an Kultur interessiert ist und Fan eines ganz bestimmten Museums ist.

Gelegentlich bekommt er Lebensmittel, die für seine Lebenssituation nicht so gut geeignet sind, da er dort, wo er „wohnt“ leider nicht kochen kann. Diese tauscht er dann gegen für ihn besser geeignete. Einen richtig guten selbst gemachten Kartoffelsalat – den würde er sich mal wieder wünschen. (Diesen Wunsch werde ich ihm mal als Überraschung erfüllen. Und ein gebügeltes Hemd dazu legen; denn ich weiß ungefähr, wo er „wohnt“).

Über Juttas Suppenküche e. V. in Köln seit 1997

Er erzählte mir, dass freitags alle 2 Wochen eine kostenlose Essensverteilung auf der Domplatte, direkt vor dem Domforum, stattfinde. Juttas Suppenküche sei sein nächstes Ziel an diesem Tag. Eine warme Mahlzeit, vielleicht noch ein paar Lebensmittel mitnehmen. Ich solle doch mitkommen. Spontan fuhr ich gegen 15.00 Uhr nach zur Domplatte. Ich wollte unbedingt Jutta sehen und schauen, ob die Suppenküche ein Fall für Vita Oeconomica sein könnte. Zunächst dachte ich ja, es würde jemand auftreten, da sich eine große Menschentraube gebildet hatte. Doch als ich näher kam, entdeckte ich vor einem zwischen Laternenmasten angebrachten Absperrband in einer langen Reihe sitzende Rollstuhlfahrer oder auf dem Rollator sitzende, aus Plastikschalen essende, Menschen. Andere saßen auf dem Mäuerchen oder standen um die Ecke, ebenfalls mit Eintopf und Brötchen. Hinter dem an drei Seiten hängenden Absperrband waren Kisten voller Lebensmittel sauber in Reih und Glied aufgereiht und am Eingang der Absperrung schöpfte mit einer langen Suppenkelle eine quirlige Frau in Fleecejacke: die besagte, legendäre „Jutta“ (die Suppenküchengründerin Jutta Schulte), die den Verein seit 1997 am Leben erhält und managt, mit einigen Helfern aus einem auf einem Klapptisch stehenden großen Topf den von Peters Brauhaus gespendeten Eintopf in Plastikschalen.

Juttas Suppenküche in Köln - seit 1997

Juttas Suppenküche e. V.  in Köln – seit 1997 – geht nicht einfach weiter.

Auch mir wurde völlig unbürokratisch Eintopf angeboten, was ich jedoch ablehnte, da ich ja nur gekommen war, um mich zu informieren und nicht um jemanden das Essen wegzufuttern. Ich stellte mich also bei Jutta und einigen ihrer HelferInnen vor und fragte, ob ich einige Fotos machen und in meinem Blog über dieses Angebot berichten dürfte. „Aber klar“, kam die Antwort sofort „und wir sind alle hier per Du“. Die Gesichter einiger zunächst etwas skeptisch dreinblickender HelferInnen wurden freundlich und ich hatte das Gefühl, dass sich einige Akteure gerne fotografieren ließen und stolz auf ihre Arbeit waren. Zu Recht! Die Helfer waren sehr beschäftigt. In der kurzen Zeit konnte ich erfahren, dass es langjährige, treue HelferInnen gibt und natürlich immer gerne neue willkommen sind. Die große Zahl Hilfsbedürftiger sei stets gewachsen, die Zahl der Obdachlosen, die regelmäßig kommen, habe sich zwar verringert, aber es seien stetig mehr Menschen mit geringem Einkommen, Hartz IV-Empfänger, Rentner mit zu geringer Rente, Behinderte und auch immer mehr Flüchtlinge hinzu gekommen. Ein großes Lob an dieser Stelle an die Betreiber des Domforums, die das rege Treiben vor ihrer Einrichtung dulden und die großzügigen Spender!

Juttas Suppenküche in Köln – seit 1997 – das gespendete Lebensmittelangebot ist sehr umfangreich und wird fein säuberlich für den Andrang vorbereitet

Auf einer Seite unter den Säulen entdeckte ich viele Menschen, die mit ihrem Hackenporsche oder Taschen da waren und kam auch mit ihnen schnell ins Gespräch. Darunter befand sich eine Frau, die an diesem Tag 55 Jahre alt geworden war und auf Erdbeeren als Obstspende hoffte, da sie sich am Sonntag zum Geburtstag und Muttertag einen Erdbeerkuchen machen wollte. Ihre Begleiterin erzählte mir, sie sei 58 Jahre alt und habe 2 Jahre lang gebraucht, bis sie sich getraut habe, öffentlich auf der Domplatte um Essen anzustehen. Sie habe sich zu sehr geschämt, aber mit ihrer Bekannten ginge es leichter. – Am liebsten hätte ich laut losgeheult und all den Wartenden ein fettes Stück Erdbeerkuchen mit gaaanz viel Sahne spendiert und das Geburtstagskind hochleben lassen. – Spätestens da beschloss ich, hier auf meinem Blog auf die Armut mitten in einer deutschen Großstadt hinzuweisen und Menschen zu bitten, Juttas Suppenküche zu unterstützen. Und ungenutzte Schlafsäcke und Isomatten meines Sohnes Jan aus dem Keller zu holen und zu spenden. Es war mittlerweile nach 15.00 Uhr und manche waren schon seit 9.15 Uhr bzw. 11.00 Uhr da; denn bei Juttas Suppenküche gibt es eine ganz bestimmte Abfolge, die keinerlei Ellbogentaktik unterstützt und an die sich alle halten, wie ich bei meinem Besuch beobachten konnte. Versucht jemand, sich vorzudrängen, hat Jutta dies ganz schnell im Blick und beendet den Versuch ratzfatz mit Nachdruck. Es werden laminierte Nummern verteilt. Die Bedürftigen bekommen einen dicken schwarzen Punkt aufs Handgelenk gemalt und wenn das Essen in einer bestimmten Choreographie (zuerst die „Rollis“ und Obdachlosen) verteilt ist, werden die Wartenummern aufgerufen und die Lebensmittel und andere Dinge, sofern vorhanden, verteilt.

Die geduldig wartenden Menschen dürfen sich dann aus dem erstaunlich vielfältigen Lebensmittelangebot einiges aussuchen. Wer also früh da ist, hat eine größere Auswahl. Ich sah Gemüse, Quark, Joghurt, abgepackten Käse und Wurst, Kakao in Flaschen, eine Palette Chips und sogar Tiernahrung und Einiges mehr. Die Lebensmittel werden regelmäßig gespendet. Es handelt sich um einwandfreie, frische Ware oder kurz vor MHD. Es werde aber auch ab und an Kleidung, wärmende Decken und Schlafsäcke für auf der Straße lebende Menschen verteilt. Sogar neue Schuhe, für Manche die ersten neuen ihres Lebens, habe man schon für wenig Geld kaufen und verteilen können. Auch die Tiere Wohnungsloser werden durch Tierfutterspenden mitversorgt. Ein Tierarzt unterstützt den Verein ebenfalls tatkräftig. Und mit den Spenden kauft Jutta, was am allerdringendsten benötigt wird und bezahlt oftmals sogar aus eigener Tasche. Die „Suppe“ bzw. der Eintopf wird von Peters Brauhaus am Alter Markt frisch gekocht und gespendet und wird von den Helfern abgeholt.

Wie könnt Ihr Juttas Suppenküche e.V. helfen?

Voller Enthusiasmus und völlig unaufdringlich sammelten 2 Frauen Spenden für Juttas Suppenküche. Und für mich war absolut klar: meine Latte und Auszeit in einem meiner Lieblingscafés nebst Leute gucken bei dem schönen Wetter würde heute ausfallen; ich hätte es nie übers Herz gebracht, dieser engagierten, wunderbaren Organisation, die seit Jahren unbürokratisch regelmäßig dort hilft, wo der Hunger brennt und die Not groß ist, während unsere PolitikerInnen ewig lang in piekfeinen Schlössern, bei der Zugspitze oder in Hotelpalästen sondieren und diskutieren, nicht wenigstens ein paar EURO zu spenden.

Juttas Suppenküche – mit den gesammelten Spenden wird das Allernötigste dazugekauft.

So saß ich später halt mit meinem mitgebrachten kalten Tee auf einem Mäuerchen und beobachtete ohne Latte das erstaunlich gesittete, durchorganisierte, bunte Treiben vor dem Dom. Mir wurde fast schwindelig von all den Gegensätzen, die ich sah: auf der einen Seite durchgestylte, Selfies machende Menschen aus aller Welt und ein paar Meter weiter die geduldig in einer Reihe sitzenden, wartenden Rollstuhlfahrer, hungrige Menschen mit Eintopf in der Hand und Leute mit Hackenporsche und Einkaufstaschen. Ja, die Domplatte hat schon seit Jahrhunderten viel gesehen. Aber wahrscheinlich selten so viel Hilfsbereitschaft wie von Juttas Suppenküche e. V.  Allein die Erinnerung an den Anblick der langen Warteschlange tut mir heute noch weh und rührt mich zu Tränen. Und deshalb sitze ich jetzt hier und schreibe diesen Artikel, damit ihn ganz viele Menschen lesen können, die Juttas Suppenküche etwas Gutes tun können und wollen. Wie ihr spenden könnt und sogar eine Spendenquittung fürs Finanzamt bekommt, erfahrt ihr weiter unten.

Wer nichts spenden kann, kann Bedürftige auf dieses Angebot hinweisen und sie dazu animieren, sich nicht zu schämen und zu Jutta zu gehen. Und helfende Hände können Jutta und ihr Team ebenfalls gebrauchen. Ihr könnt euch auf Juttas Website melden.

Weitere Informationen über Voraussetzungen, welcher Personenkreis Unterstützung bekommt oder wie ihr selbst helfen oder spenden könnt, erfahrt ihr hier unter „Juttas Suppenküche“.