14 Mai

Juttas Suppenküche e. V. in Köln – seit 1997

Juttas Suppenküche in Köln seit 1997

Juttas Suppenküche e. V. auf der Domplatte  wurde 1997 von Jutta Schulte ins Leben gerufen und verteilt direkt gegenüber dem Kölner Dom vor dem Domforum bei jedem Wetter an jedem 2. Freitag im Monat ab 15.00 Uhr ein kostenloses, warmes Essen, von Firmen gespendete Lebensmittel und Tiernahrung, aber auch – wenn vorhanden – Kleidung u. v. m. an Bedürftige. – Stopp Kölsche, Touristen, Alle! Geht nicht einfach vorbei. Bleibt stehen und helft, wenn ihr helfen könnt. Auch Zuhören hilft!

Juttas Suppenküche e. V. in Köln – seit 1997 – die Lebensmittel werden sorgsam aufgestellt

Wie ich von Juttas Suppenküche e. V. erfahren habe und meine Begegnung mit einem Wohnungslosen

Als ich gestern am Fairteiler bei der alten Brandschutzdirektion nahe Ebertplatz ein paar Lebensmittel gegen ein Vollkornbrot tauschte, waren die mitgebrachten Sachen ratzfatz weg. Vor allem ein paar Tütchen Fertigcappucino, die ich in der Apotheke geschenkt bekommen hatte, erfreuten sich größter Beliebtheit. Warum? Weil Menschen ohne Wohnsitz, die regelmäßig den Fairteiler besuchen, absolut scharf darauf waren! – Ich kam mit einem Herrn ins Gespräch und wir unterhielten uns über eine Stunde. Ich an ein kvB-Fahrrad, das mit Monatsabo seit 1.03.2018 kostenlos ausgeliehen werden kann, und er an sein schon älteres Rad, an dem ein halbes Pedal fehlt, gelehnt.

Selten habe ich mich mit einem mir völlig fremden Menschen in so kurzer Zeit so intensiv über wirklich sehr persönliche Dinge unterhalten. Ich bin ja ein Mensch, der gerne hinter die Kulissen schaut und so lange nachbohrt, bis mein Wissensdurst gestillt ist. Ich sagte dem Mann, er brauche nicht zu antworten, wenn die Fragen zu indiskret seien, worüber er lachte. Ich sagte ihm ganz offen, dass er trotz seines Lebens auf der Straße doch relativ gepflegt auf mich wirke. Daraufhin erzählte er mir über seinen Alltag und wie er sein Leben in Köln als Wohnungsloser gestaltet. Er ist 65 Jahre alt und lebt, seit er 36 Jahre alt ist, mit einigen Unterbrechungen auf der Straße. Auf eigenen Wunsch. Er erhält keinerlei finanzielle Unterstützung und verfügt durch etwas Pfandflaschen sammeln am Wochenende und kleine Hilfsleistungen für Bedürftige, wie z. B. einfache Fahrradreparaturen, über ungefähr 30,– EURO Bargeld im Monat. Damit sei er zufrieden. Den skurrilen Ort, wo er sich und seine Wäsche im Eimer wäscht, verrate ich nicht. Im Winter habe er mehrere Schichten Kleidung an, da wäre es schwieriger, bis das alles unten sei. Ihm ginge es aber gut, sagt er, er habe draussen unter einer Plane einen festen Platz zum Schlafen, den er sich recht gemütlich eingerichtet habe. Dort sei er geduldet und ein Restaurant in der Nähe versorgt ihn sogar regelmäßig mit übrig gebliebenem Essen und habe ihm sogar schon auf seinen Wunsch hin etwas aus mitgebrachten Zutaten zubereitet. Er revanchiere sich durch Mithilfe im Außenbereich, da er sich mit Gartenarbeit gut auskennt. – Einzig vor 2 Jahren habe er sich das Bein gebrochen und nach 10 Tagen im Krankenhaus hätte er 4 Wochen bei seinem Sohn unterkommen können; aber danach sei es doch einige Monate noch schwierig gewesen bis der Bruch vollständig ausgeheilt war. – Er meinte, dass man alles organisieren könne. Er habe ja Zeit und könne dadurch auch viele kostenlose Termine wahrnehmen. Er sei sogar schon mehrmals für einige Tage in Urlaub gewesen, von einem Kloster würde das jedes Jahr angeboten werden. Er helfe dort im Klostergarten. Und Opa sei er auch. Das dritte Enkelkind, ein Mädchen, werde demnächst geboren.

Mein Blog „Vita Oeconomica“ wendet sich auch besonders an Menschen mit geringerem Einkommen und ich war erstaunt über das Wissen dieses Mannes, kostenlos oder für wenig Geld an Lebensnotwendiges zu kommen. Er hat sämtliche Termine und Orte im Kopf, wo z. B. Lebensmittel oder warme Mahlzeiten kostenlos verteilt werden, wo es günstige Kleidung gibt oder wie Menschen mit Köln Pass, Behinderung oder bedürftige Alte mit kleiner Rente kostenlose Kulturangebote genießen können. Ich habe gemerkt, dass er sehr an Kultur interessiert ist und Fan eines ganz bestimmten Museums ist.

Gelegentlich bekommt er Lebensmittel, die für seine Lebenssituation nicht so gut geeignet sind, da er dort, wo er „wohnt“ leider nicht kochen kann. Diese tauscht er dann gegen für ihn besser geeignete. Einen richtig guten selbst gemachten Kartoffelsalat – den würde er sich mal wieder wünschen. (Diesen Wunsch werde ich ihm mal als Überraschung erfüllen. Und ein gebügeltes Hemd dazu legen; denn ich weiß ungefähr, wo er „wohnt“).

Über Juttas Suppenküche e. V. in Köln seit 1997

Er erzählte mir, dass freitags alle 2 Wochen eine kostenlose Essensverteilung auf der Domplatte, direkt vor dem Domforum, stattfinde. Juttas Suppenküche sei sein nächstes Ziel an diesem Tag. Eine warme Mahlzeit, vielleicht noch ein paar Lebensmittel mitnehmen. Ich solle doch mitkommen. Spontan fuhr ich gegen 15.00 Uhr nach zur Domplatte. Ich wollte unbedingt Jutta sehen und schauen, ob die Suppenküche ein Fall für Vita Oeconomica sein könnte. Zunächst dachte ich ja, es würde jemand auftreten, da sich eine große Menschentraube gebildet hatte. Doch als ich näher kam, entdeckte ich vor einem zwischen Laternenmasten angebrachten Absperrband in einer langen Reihe sitzende Rollstuhlfahrer oder auf dem Rollator sitzende, aus Plastikschalen essende, Menschen. Andere saßen auf dem Mäuerchen oder standen um die Ecke, ebenfalls mit Eintopf und Brötchen. Hinter dem an drei Seiten hängenden Absperrband waren Kisten voller Lebensmittel sauber in Reih und Glied aufgereiht und am Eingang der Absperrung schöpfte mit einer langen Suppenkelle eine quirlige Frau in Fleecejacke: die besagte, legendäre „Jutta“ (die Suppenküchengründerin Jutta Schulte), die den Verein seit 1997 am Leben erhält und managt, mit einigen Helfern aus einem auf einem Klapptisch stehenden großen Topf den von Peters Brauhaus gespendeten Eintopf in Plastikschalen.

Juttas Suppenküche in Köln - seit 1997

Juttas Suppenküche e. V.  in Köln – seit 1997 – geht nicht einfach weiter.

Auch mir wurde völlig unbürokratisch Eintopf angeboten, was ich jedoch ablehnte, da ich ja nur gekommen war, um mich zu informieren und nicht um jemanden das Essen wegzufuttern. Ich stellte mich also bei Jutta und einigen ihrer HelferInnen vor und fragte, ob ich einige Fotos machen und in meinem Blog über dieses Angebot berichten dürfte. „Aber klar“, kam die Antwort sofort „und wir sind alle hier per Du“. Die Gesichter einiger zunächst etwas skeptisch dreinblickender HelferInnen wurden freundlich und ich hatte das Gefühl, dass sich einige Akteure gerne fotografieren ließen und stolz auf ihre Arbeit waren. Zu Recht! Die Helfer waren sehr beschäftigt. In der kurzen Zeit konnte ich erfahren, dass es langjährige, treue HelferInnen gibt und natürlich immer gerne neue willkommen sind. Die große Zahl Hilfsbedürftiger sei stets gewachsen, die Zahl der Obdachlosen, die regelmäßig kommen, habe sich zwar verringert, aber es seien stetig mehr Menschen mit geringem Einkommen, Hartz IV-Empfänger, Rentner mit zu geringer Rente, Behinderte und auch immer mehr Flüchtlinge hinzu gekommen. Ein großes Lob an dieser Stelle an die Betreiber des Domforums, die das rege Treiben vor ihrer Einrichtung dulden und die großzügigen Spender!

Juttas Suppenküche in Köln – seit 1997 – das gespendete Lebensmittelangebot ist sehr umfangreich und wird fein säuberlich für den Andrang vorbereitet

Auf einer Seite unter den Säulen entdeckte ich viele Menschen, die mit ihrem Hackenporsche oder Taschen da waren und kam auch mit ihnen schnell ins Gespräch. Darunter befand sich eine Frau, die an diesem Tag 55 Jahre alt geworden war und auf Erdbeeren als Obstspende hoffte, da sie sich am Sonntag zum Geburtstag und Muttertag einen Erdbeerkuchen machen wollte. Ihre Begleiterin erzählte mir, sie sei 58 Jahre alt und habe 2 Jahre lang gebraucht, bis sie sich getraut habe, öffentlich auf der Domplatte um Essen anzustehen. Sie habe sich zu sehr geschämt, aber mit ihrer Bekannten ginge es leichter. – Am liebsten hätte ich laut losgeheult und all den Wartenden ein fettes Stück Erdbeerkuchen mit gaaanz viel Sahne spendiert und das Geburtstagskind hochleben lassen. – Spätestens da beschloss ich, hier auf meinem Blog auf die Armut mitten in einer deutschen Großstadt hinzuweisen und Menschen zu bitten, Juttas Suppenküche zu unterstützen. Und ungenutzte Schlafsäcke und Isomatten meines Sohnes Jan aus dem Keller zu holen und zu spenden. Es war mittlerweile nach 15.00 Uhr und manche waren schon seit 9.15 Uhr bzw. 11.00 Uhr da; denn bei Juttas Suppenküche gibt es eine ganz bestimmte Abfolge, die keinerlei Ellbogentaktik unterstützt und an die sich alle halten, wie ich bei meinem Besuch beobachten konnte. Versucht jemand, sich vorzudrängen, hat Jutta dies ganz schnell im Blick und beendet den Versuch ratzfatz mit Nachdruck. Es werden laminierte Nummern verteilt. Die Bedürftigen bekommen einen dicken schwarzen Punkt aufs Handgelenk gemalt und wenn das Essen in einer bestimmten Choreographie (zuerst die „Rollis“ und Obdachlosen) verteilt ist, werden die Wartenummern aufgerufen und die Lebensmittel und andere Dinge, sofern vorhanden, verteilt.

Die geduldig wartenden Menschen dürfen sich dann aus dem erstaunlich vielfältigen Lebensmittelangebot einiges aussuchen. Wer also früh da ist, hat eine größere Auswahl. Ich sah Gemüse, Quark, Joghurt, abgepackten Käse und Wurst, Kakao in Flaschen, eine Palette Chips und sogar Tiernahrung und Einiges mehr. Die Lebensmittel werden regelmäßig gespendet. Es handelt sich um einwandfreie, frische Ware oder kurz vor MHD. Es werde aber auch ab und an Kleidung, wärmende Decken und Schlafsäcke für auf der Straße lebende Menschen verteilt. Sogar neue Schuhe, für Manche die ersten neuen ihres Lebens, habe man schon für wenig Geld kaufen und verteilen können. Auch die Tiere Wohnungsloser werden durch Tierfutterspenden mitversorgt. Ein Tierarzt unterstützt den Verein ebenfalls tatkräftig. Und mit den Spenden kauft Jutta, was am allerdringendsten benötigt wird und bezahlt oftmals sogar aus eigener Tasche. Die „Suppe“ bzw. der Eintopf wird von Peters Brauhaus am Alter Markt frisch gekocht und gespendet und wird von den Helfern abgeholt.

Wie könnt Ihr Juttas Suppenküche e.V. helfen?

Voller Enthusiasmus und völlig unaufdringlich sammelten 2 Frauen Spenden für Juttas Suppenküche. Und für mich war absolut klar: meine Latte und Auszeit in einem meiner Lieblingscafés nebst Leute gucken bei dem schönen Wetter würde heute ausfallen; ich hätte es nie übers Herz gebracht, dieser engagierten, wunderbaren Organisation, die seit Jahren unbürokratisch regelmäßig dort hilft, wo der Hunger brennt und die Not groß ist, während unsere PolitikerInnen ewig lang in piekfeinen Schlössern, bei der Zugspitze oder in Hotelpalästen sondieren und diskutieren, nicht wenigstens ein paar EURO zu spenden.

Juttas Suppenküche – mit den gesammelten Spenden wird das Allernötigste dazugekauft.

So saß ich später halt mit meinem mitgebrachten kalten Tee auf einem Mäuerchen und beobachtete ohne Latte das erstaunlich gesittete, durchorganisierte, bunte Treiben vor dem Dom. Mir wurde fast schwindelig von all den Gegensätzen, die ich sah: auf der einen Seite durchgestylte, Selfies machende Menschen aus aller Welt und ein paar Meter weiter die geduldig in einer Reihe sitzenden, wartenden Rollstuhlfahrer, hungrige Menschen mit Eintopf in der Hand und Leute mit Hackenporsche und Einkaufstaschen. Ja, die Domplatte hat schon seit Jahrhunderten viel gesehen. Aber wahrscheinlich selten so viel Hilfsbereitschaft wie von Juttas Suppenküche e. V.  Allein die Erinnerung an den Anblick der langen Warteschlange tut mir heute noch weh und rührt mich zu Tränen. Und deshalb sitze ich jetzt hier und schreibe diesen Artikel, damit ihn ganz viele Menschen lesen können, die Juttas Suppenküche etwas Gutes tun können und wollen. Wie ihr spenden könnt und sogar eine Spendenquittung fürs Finanzamt bekommt, erfahrt ihr weiter unten.

Wer nichts spenden kann, kann Bedürftige auf dieses Angebot hinweisen und sie dazu animieren, sich nicht zu schämen und zu Jutta zu gehen. Und helfende Hände können Jutta und ihr Team ebenfalls gebrauchen. Ihr könnt euch auf Juttas Website melden.

Weitere Informationen über Voraussetzungen, welcher Personenkreis Unterstützung bekommt oder wie ihr selbst helfen oder spenden könnt, erfahrt ihr hier unter „Juttas Suppenküche“.

06 Feb

Markthalle Köln im Belgischen Viertel

Markthalle Köln im Belgischen Viertel -

Schon das Betreten der neuen Markthalle Köln im Belgischen Viertel schmeichelt den Sinnen. Im Januar 2018 wurde Renate und Ulrich Engels Traum Wirklichkeit und sie eröffneten die erste Markthalle Kölns in der Maastrichter Str. 45 nach Umbau und Renovierung des ehemaligen Installationsgroßhandels.

Am Eingang vermischt sich Blumenduft mit dem Aroma frisch aufgebrühten Kaffees und wenige Schritte weiter verwöhnt der unwiderstehliche Geruch frischer Backwaren und Waffeln die Nase des Besuchers, um sich gleich darauf mit feinwürzigen Aromen köstlichen Käses und Düften aus der „gläsernen Metzgerei“ zu vereinen. – Genau das ist das Gemisch, das mich unwiderstehlich anzieht und schöne Erinnerungen in mir weckt. Wer meinen Blog etwas kennt, weiß, dass ich ein absolutes Markt-Victim bin …, was wohl meine Lebensgeschichte mit sich bringt.

Markthalle Köln im Belgischen Viertel - Aussenansicht

Markthalle Köln im Belgischen Viertel – Aussenansicht

Was gibt´s alles in der 1. Markthalle Kölns?

In der neuen Markthalle können auf 2 Stockwerken (barrierefrei, geräumiger Aufzug und Kundentoilette vorhanden) derzeit im oberen Stockwerk Back- und Fleischwaren, Gemüse, knackige Salate und Obst, feinste Käsesorten, Öle, Blumen und Topfpflanzen, und im unteren Geschoss ansprechende Weine, besondere in Köln hergestellte Biere, Säfte und Smoothies, Eistees, milchsauervergorenes, knackiges Bio-Gemüse in Gläschen und Schokolade aus erlesenem Kakao gekauft und teilweise gekostet werden. Ebenfalls im Untergeschoss finden sich auch robuste Lederwaren und Taschen und das Restaurant „Dreigang“ mit offener Marktküche. Dort werden aus regionalen Zutaten zubereitete Fleisch- oder vegetarische Gerichte nebst Nachtisch und Kaffee angeboten. Im Obergeschoss hingegen gibts Kaffeespezialitäten von der kleinen Esspressobar und wer Lust auf Gebäck, Kuchen, eine verführerisch duftende Waffel oder ein Vesper vom „gläsernen Metzger“ hat, kann es sich an einem der Holzstehtische gemütlich machen und das Geschehen beobachten.

Markthalle Köln im Belgischen Viertel, Wildschweinschinken von"Lappen und Prenge"l und Brot von "Der Brotspezialist"

Markthalle Köln, Wildschweinschinken und Leberwurst von“Lappen und Prengel“ und Brot von „Der Brotspezialist“ – Meine „Interpretation zuhause“

Im Fokus der Markthalle Köln steht ein regionales und nachhaltiges Angebot engagierter „Macher“

Renate und Ulrich Engel, zwei Innenarchitekten, wohnen schon seit 25 Jahren im Belgischen Viertel und zeichnen verantwortlich für das Konzept und den Umbau der Markthalle. Sie haben einen langfristigen Mietvertrag abgeschlossen. Ihr Veedel (Viertel) ist ihnen bestens bekannt und sie kennen hier die Menschen und deren Wünsche und Bedürfnisse gut und freuen sich auf viele Stammkunden. Bei jedem Wetter kann hier von Montag bis Samstag eingekauft werden und die Kunden können sich das Gekaufte per Fahrradkurier heimbringen lassen, wenn nötig.  Auf 400 m² ist die kleine Markthalle in Kölns Belgischem Viertel entstanden. Mit besonderem Augenmerk auf regionale Erzeugnisse und Einbindung regionaler Lieferanten. Hier fühlt sich der Besucher gut informiert und wohl und kommt mit Anderen schnell ins Gespräch. Und wer nicht nur einkaufen will, gönnt sich einen Kaffee von der Espressobar oder holt sich einen LKW (schwäbisch: Leberkäsewecken) oder eine der täglich wechselnden Vespervariationen vom „gläsernen“ Metzger oder etwas Feines vom „Brotspezialist“. Im Untergeschoss lockt das Restaurant „Dreigang“ mit offener Marktküche mit Fleischgerichten und vegetarischer Kost, das ich noch testen muss.

Was hat mir besonders in der neuen Markthalle gefallen?

Nun liegt die Markthalle Köln im Belgischen Viertel ja nicht gerade bei mir um die Ecke; dennoch werde ich ganz bestimmt regelmäßig dort einkaufen, da ich zum einen diese ganz besondere Atmosphäre dort schätze und mag und beobachten konnte, dass die Standbetreiber einen sehr innigen, fast familiären Umgang miteinander pflegen, der ein angenehmes Klima schon beim Betreten vermittelt. Und was mir ganz besonders aufgefallen und wichtig ist: Die Menschen, mit denen ich ins Gespräch gekommen bin, und es waren einige, wissen, was sie da genau vertreiben und warum und sind von ihren Produkten und ihrer Arbeit überzeugt und machen sie gerne. Das macht mir besonders gute Laune! Und die Patina wird auch noch kommen.

„Lappen und Prengel“ in der neuen Markthalle in Köln – die „gläserne Metzgerei“

Für neugierige Menschen wie mich ist die „gläserne Metzgerei“ „Lappen und Prengel“, was übersetzt fette Steaks und dicke Würste bedeutet, das absolute Eldorado, weil ich etwas „mäkelig“ und neugierig bin. Vor aller Augen mit allerlei Gerätschaften verarbeiten die beiden Mark/c-s das Fleisch in ihrem blitzsauberen Geschäft. – Der Marc mit C ist gelernter Fleischer und passionierter Jäger mit langjähriger Berufserfahrung. Der Mark mit K, Mark Junglas, ist gelernter Fleischer, Lebensmitteltechniker und Berufsjäger. Schon nach wenigen ausgetauschten Sätzen stellte ich fest, wie das junge Team für seine Tätigkeit förmlich „brennt“. Es wurde viel Geld und Arbeit in die „gläserne Metzgerei“ investiert, um sämtliche deutschen, mega-strengen, Vorschriften zu erfüllen. Der Betrieb ist durch lange Glasfronten für den Kunden völlig einsehbar und unterteilt in Verkauf/Auslage, Produktion und Kühlung, wo das Fleisch hängt. Allein der Anblick der Schmankerl in Heißtheke und Auslage ließ mir das Wasser im Munde zusammenlaufen und es spielte sich ein Kopfkino ab, was ich alles Gutes zuhause kochen könnte.

Markthalle Köln im Belgischen Viertel – Gläserne Metzgerei „Lappen und Prengel“mit Mark Krämer

Markthalle Köln im Belgischen Viertel – Metzgerei Lappen und Prengel hier auf dem Foto Mark Junglas

Man wird nicht von der Auslage „erschlagen“, sondern findet ein ausgewähltes Angebot an Fleisch, Wurst, Geflügel und Wild, je nach Saison, vor. Feine Saucen zum Mitnehmen und Spezialitäten aus der Heißtheke runden das Angebot ab. Vorbestellungen werden gerne aufgenommen und realisiert. Die Tiere, die die „gläserne Metzgerei“ verarbeitet, führen bis zur Schlachtreife ein artgerechtes und gutes Leben im Familienverband mit ganz viel Auslauf und Platz im Freien. Die Metzgerei wird von ausgesuchten regionalen Bauern beliefert, insbesondere von Bauern der Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall, die z.B.  das fast vor dem Aussterben bedrohte „Schwäbisch-Hällische Landschwein“ gerettet haben. In einem ausgelegten Ordner kann der interessierte Besucher blättern und sich umfassend informieren.

Eine große Tafel an der Seite gibt Informationen über die Herkunft des gerade verarbeiteten Fleisches. Mark Junglas erzählte mir, wie wichtig den Machern von „Lappen & Prengel“ der ständige Kontakt zu den Erzeugern, die die Futtermittel noch selbst anbauen, und den Betreibern des Schlachthofs ist und dass das saisonabhängig erlegte Wild aus der Region stammt und grundsätzlich vom Hochsitz aus geschossen wird (also keine tierquälenden Treibjagden etc.).

Markthalle Köln im Belgischen Viertel – Metzgerei „Lappen & Prengel“. Auf dem Foto Mark Junglas

Auch alte Schweinerassen, wie z.B. das wollige Magalitzaschwein, werden neben heimischen Schafrassen wie dem Merinoschaf oder dem schwarzköpfigen Fleischlamm zu feinen Fleisch- und Wurstwaren verarbeitet, was – nur durch Glas getrennt – bestens beobachtet werden kann.

Mein Fazit: ich esse lieber nur gelegentlich Fleisch und Wurst mit reinem Gewissen und bezahle dann auch gerne etwas mehr. Auch mit kleinem Budget können wir der „Fleischeslust“ frönen, wohl dosiert. Und dieses junge Team darf auf seine Arbeit stolz sein und verdient es, zusammen mit den anderen Betreibern der Markthalle unterstützt zu werden!

Ein rundes Angebot in der Markthalle Köln im Belgischen Viertel

Christophe Collin von „Terre de Provence“ schräg gegenüber vom Metzger und neben dem Bäcker, bietet Käsespezialitäten an. Wie ich gehört habe, war er früher in Frankreich als Schäfer tätig und beherrscht auch selbst die Käseherstellung. Bei „Der Brotspezialist“ habe ich zunächst einmal ein Eiweißbrot erstanden und zuhause mit Genuss gegessen. Mir wurde erzählt, dass die Traditionsbäckerei Roggen- und Dinkelvollkornmehl vor der Teigherstellung frisch mahlt, um die Vitamine bestmöglich zu erhalten. Am Stand werden Waffeln frisch gebacken und für 1,50/Stck. (Stand 02/2018) verkauft. Sehr verführerisch. Nach einem Stand mit ausgewählten Ölen und anderen Leckereien befindet sich am Ende des Obergeschosses ein gut sortierter Obst- und Gemüsestand mit knackigem Salatangebot. Und an zwei Tagen in der Woche steht im Hof vor der Markthalle ein mobiler Fischstand.

Das „Dreigang Restaurant“ im Untergeschoss werde ich bei einem meiner nächsten Besuche noch testen, genau wie den herrlich duftenden Kaffee aus der Espressobar von oben. – Dieses Mal hatte ich die Gelegenheit, sehr feines, mildes, roh fermentiertes (milchsauervergorenes) und phantastisch gewürztes, knackiges Wurzelgemüse und Kohl im Untergeschoss bei Nu´s Fermentiert zu kosten und wurde sehr kompetent beraten. – Ihr wisst ja, dass ich eine ganz besondere Vorliebe für Kohl in allen Variationen habe, was ich hier auf dem Blog bereits geschrieben habe.

Markthalle Köln im Belgischen Viertel – Fermentiertes Gemüse in Gläschen von Nu´s

Markthalle Köln im Belgischen Viertel – Biere, Weine, Eistees, Schokolade – 02/2018

Sehr begeistert hat mich, dass ich am gleichen Stand mit Nu´s  fermentierten Gemüsen spezielle Biere, die in Kölns kleinster Brauerei „braustelle“ gebraut werden, gefunden habe. Und auch ganz phantasievolle, kaltgepresste Saftmischungen und Säfte von kaltpresse.de  (beim Ingwersaft mit Zitrone hätte mein serbischer Opa sicherlich mindestens dreimal „Joj“ gesagt). Sehr empfehlenswert! Den kaltgepressten Säften und Smoothies ist Eines gemeinsam:  sehr hohe Nährstoffdichte und ein köstlich-frischer Geschmack! Die Biere, die mein Sohn Jan kennt und schätzt, heißen z.B. „Pink Panther“ (mildes, fruchtiges Ale mit Hibiscusblüten gebraut) oder Helios (eine Hommage an den Leuchtturm der ehemaligen Firma „Helios“ in Köln-Ehrenfeld) und werden von „braustelle“ gebraut. Ich muss dringend mal probieren. Opa Alfi´s feinherbe, nur mit etwas Ahornsirup und Saft in Bioqualität frischgebraute, in Flaschen gefüllte, Eistees runden neben einem feinen Pfälzer Weinsortiment von IMI Winery und Schokolade den gelungenen Gemeinschaftsstand ab. Im Eingang verströmen die bunten Blumen von „Pusteblume“ und die „Espressobar“ einen köstlichen Duft. Ich hoffe, ich habe nichts übersehen.

Markthalle Köln im Belgischen Viertel – Blumenladen Pusteblume am Eingang, links Espressobar

Nun wünsche ich euch ein schönes Einkaufserlebnis im Belgischen Viertel, das sich gut z.B. mit einem Bummel über den Neumarkt und der Geschichte des berühmten Kölner Sängers Willi Ostermann und dessen letztem Wohnort und/oder dem Besuch des Käthe-Kollwitz- oder Rautenstrauch-Joest Museums, also einigen meiner Lieblingsorte in Köln, verbinden lässt. Viel Spaß! Hier findet ihr die Öffnungszeiten der Markthalle und weitere Infos.

28 Jan

Willi Ostermann Brunnen und Ostermannplatz Köln

In Rheinnähe, ganz versteckt, und doch inmitten der Kölner Altstadt, liegt der beschauliche Ostermannplatz mit seinem Willi Ostermann Brunnen, den ihr über das winzige, gepflasterte Kastellgässchen oder die Lintgasse (hier wurden im Mittelalter Korbwaren von Lintschleißern = Korbflechtern hergestellt) erreichen könnt.

Ganz zufällig fand ich an einem heißen Sommertag den nur wenige Schritte vom Großstadttrubel entfernten, idyllischen Platz mit seinem Brunnen, der dem berühmten Kölner Star-Mundartsänger und Komponisten Willi Ostermann gewidmet ist, und möchte euch hier seine Geschichte erzählen. – Gelegentlich hat man Glück und kann von dem im Schatten liegenden Mäuerchen aus, das zum Ausruhen und Verweilen einlädt, einem burschikosen Tourguide beim Vortrag eines Liedes oder einiger Spottverse lauschen und beobachten. Den Brunnen zieren 15 aus Muschelkalk gefertigte Figuren und eingemeißelte Textzeilen. – Auch befindet sich auf dem Platz ein Bronzerelief des Künstlers. Neugierig wie ich bin, recherchierte ich die Geschichte des an Weiberfastnacht, dem 16.02.1939, zum Andenken an Willi Ostermann eingeweihten Brunnens und Platzes.

Willi Ostermann Brunnen

Willi Ostermann Brunnen und Ostermannplatz Köln – dreieckiger Brunnen aus Muschelkalk

Willi Ostermann 1.10.1876 – 6.08.1936

Wilhelm „Willi“ Ostermann wurde am 1.10.1876 in Mülheim, auf der liebevoll „Schäl Sick“ genannten rechtsrheinischen Seite, geboren und wuchs in der damaligen Garnisonsstadt Deutz auf. Schon als Schulkind fiel der Rotschopf durch seine lustigen Sprüche und Verse auf. Nach der Volksschule begann er eine Ausbildung im Elektrohandwerk, die er abbrach. Danach machte er eine Lehre als Stereotypeur und Galvanoplastiker und arbeitete wahrscheinlich bis 1900 in seinem Beruf.  Ab 1895 war er Mitglied einer Laientheatergruppe. Seine Talente brachte er bei kleinen Auftritten bei Familienfesten oder in Kneipen ein und verdiente sich so etwas dazu. Noten lesen konnte Ostermann nicht, verfasste aber unermüdlich Lieder und sang sie später auf Schallplatten. Schließlich hatte er 1907 seinen großen Durchbruch mit „Däm Schmitz sing Frau eß durchgebrannt“. Das Lied entstand in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Emil Neumann und war DER Karnevalsschlager 1906/1907. So wurde Ostermann in ganz Deutschland und auch im europäischen Ausland bekannt. Von den Einnahmen seiner Musikleidenschaft konnte er schließlich leben und hinterließ über 100 bekannte „kölsche Krätzchen“, Rhein-Wein-Lieder, Revuefilmlieder und schrieb auch für andere Künstler. Er liebte den Rhein und widmete dem Fluss seines Lebens ebenfalls seine Musik, die bis heute viele Künstler vortragen. Außerdem mochte er das süße Leben und wurde des öfteren auf der Pferderennbahn gesehen.

Willi Ostermann Brunnen und Ostermannplatz Köln – Denkmal Willi Ostermann

Eines seiner bekanntesten Lieder „Och, wat wor dat fröher schön doch en Colonia“ wurde 1936 zum Herzzerreißen von einer Musikkapelle anlässlich seines Begräbnisses auf dem Melaten Friedhof in der Aachener Straße gespielt. Halb Köln trauerte um Willi Ostermann und die meisten Geschäfte blieben über Stunden geschlossen. 35.000 Menschen säumten den Trauerzug vom Neumarkt (wo er zuletzt wohnte) bis zu Melaten als er am 10.08.1936 beigesetzt wurde. Sein beliebtes Lied „Heimweh nach Kölle – Ich mööch zo Foß noh Kölle gonn“, soll er nach einer nicht gut überstandenen schweren Magenoperation auf dem Sterbebett im Kölner Krankenhaus Lindenburg noch 4 Tage vor seinem Tod geschrieben haben.

Willi Ostermann und seine Lieder – Textverse am Willi Ostermann Brunnen

Als es noch kein Radio gab, wurden seine beliebten Lieder in Windeseile von Mund zu Mund verbreitet. Otto Reutter gab ihm schon 1905 den Rat „den Leuten aufs Mal zu gucken und so seine Spottverse zu verfassen, was er am besten beherrsche“. Diesen guten Rat befolgte Ostermann. Er verkaufte über 2,5 Millionen Schallplatten. Seine Lieder handeln von Persönlichkeiten und skurrilen Figuren, Begebenheiten, Lokalitäten und detailverliebten Szenen und strotzen nur so vor Humor der damaligen Zeit. Aber es handelt sich bei Weitem nicht nur um Karnevalslieder. Er vereinte kölschen Sprachwitz mit angeborenem Humor. Seine Lieder handeln neben der immer wieder gepriesenen Schönheit der Frauen vom Rhein und dem köstlichen Wein auch von den unsicheren Zeiten, von Krieg und Frieden, Hunger, Depression, beschreiben detailgenau Milieuszenen und deren pralle Figuren und erzählen später auch von Kriegsgewinnlern, wobei die Politik nicht Ostermanns Hauptthema war und keineswegs korrekt wiedergegeben wurde. Sein Lied „Heimweh nach Köln“ wurde im Zweiten Weltkrieg sogar als „wehrkraftzersetzend“ verboten. Unvergessen auch seine „Hommage“ an die Waffe „Dicke Bertha, Kaliber 42“.

Entstehung und Geschichte des Willi-Ostermann-Brunnens und Ostermannplatzes bis 1961

Nach Willi Ostermanns Tod verwendete sein Freund und damaliger Präsident des Kölner Festkomitees, Thomas Liessem, die Erlöse aus dem Verkauf der Schallplatte „Heimweh nach Köln“ sowie die Tantiemen für das von ihm verfasste Ostermannbuch und im Freundeskreis gesammelte Gelder, um ein Ostermanndenkmal erbauen zu lassen.

Der Bildhauer Willy Klein schuf aus einem 14 Kubikmeter großen aus Bayern angelieferten Muschelkalkblock für 38.000 Reichsmark das Werk mit den 15 Figuren, die u. a. von Ostermann besungen worden waren. Der dreieckige Brunnen bildet heute den zentralen Punkt des Platzes. Eingemeißelt in das Denkmal sind die Textzeilen aus drei berühmten Ostermann-Liedern: „Kölsche Mädcher künne bütze“, „Wenn in Colonia der Karneval beginnt“ und „Och, wat wor dat fröher schön doch in Colonia“.

Willi Ostermann Brunnen und Ostermannplatz Köln

Willi Ostermann Brunnen und Ostermannplatz Köln – dreieckiger Brunnen aus Muschelkalk

Alle Kölner Karnevalsgesellschaften und viele Vereine waren anwesend, als das Denkmal 1939 an Weiberfastnacht feierlich dem damaligen Oberbürgermeister als Geschenk der Kölner Bürgerschaft zur Pflege übergeben wurde. Der Platz wurde „Ostermannplatz“ genannt. Der Kinderchor des Städtischen Waisenhauses und der Kölner Männerchor sangen sehr einfühlsam gemeinsam Ostermanns letztes Lied.

Thomas Liessem würdigte den Verstorbenen anlässlich der Einweihung des Denkmals mit folgenden Worten:

„Ein Volk lebt in seinen Liedern, und der die Lieder schrieb, konnte nur im Volke gelebt haben. Generationen gehen, doch seine Lieder bleiben bestehen. Und ein Volk, welches sich singend in seinen Liedern selbst den Spiegel vorhält, wie in den Gesängen Ostermanns, dieses Volk hat Herz und Gemüt. – Bitten wir den Himmel, dass er uns dieses Gemüt erhält und dieses Denkmal so lange schützt, wie die Lieder unseres Willi Ostermann in diesem Volk am Rhein Bestand haben!“

Und als ob der Himmel tatsächlich zugehört und die Bitte erfüllt hätte, wurde der Brunnen trotz der durch Bombenhagel und Feuersbrunst verheerenden Zerstörung ringsherum kaum beschädigt. Und die textsicheren Kölner lieben es bis heute, ihre Lieder zu singen – und ich singe gerne mit!

Nach dem Krieg übernahm der 17-jährige in direkter Nachbarschaft des Brunnens wohnende Karnevalist Franz Unrein, später als „Schütze Bumm“ und „Jupp vum Kägelclub“ bekannt und berühmt, tatkräftig die Aufräumarbeiten des Platzes mithilfe der Nachbarschaft und der Karnevalskünstlervereinigung Muuzemändelcher, wofür er mit einer Medaille geehrt wurde.  Am 11.11.1949 erfolgte die Wiedereinweihung des Denkmals. Wieder wurden die alten Ostermannlieder feierlich intoniert. – Aus dieser Wiedereinweihung machten die Muuzemändelcher ein wiederkehrendes Ereignis. Immer am 11.11. um 11 Uhr 11 wurde von da an hier die Karnevalssession eröffnet.

Als 1961 der Ostermann Platz umgebaut wurde, holte der damalige Oberbürgermeister Theo Burauen den Karnevalsauftakt auf den Rathausvorplatz, „Et Spill op d´r Rothustrapp“. In der Folge geriet der Brunnen in Vergessenheit und begann zu zerfallen.

Geschichte um Willi-Ostermann-Brunnen und Ostermannplatz ab 1967 und Gründung der Ostermann Gesellschaft Köln 1967 e. V.

Am 28.02.1967 schließlich gründete sich die Ostermann Gesellschaft  in den Räumen des noch heute bestehenden Brauhauses „Gilden im Zins“, um das Andenken Ostermanns zu ehren. Die vergessene Tradition der Sessionseröffnung seit 1949 wurde wiederbelebt und die Gesellschaft lud am 11.11.69 wieder zur Sessionseröffnung am Ostermann-Brunnen ein. Der Platz wurde mit den Jahren allerdings für die vielen Jecken zu eng und man musste ausweichen.

1974 wurde der Brunnen durch Jürgen Hans Grümmer umgestaltet.

Eine weitere Neueinweihung fand schließlich am 14.06.1997 statt.

Gedenktafel

Willi Ostermann Brunnen und Ostermannplatz Köln – Gedenktafel

Willi Ostermanns Nachlass wurde in dessen eigenem Verlag zunächst von seiner 2. Frau Käthe und später vom Musikverlag Hans Gerig KG verwaltet. Die Willi Ostermann Gesellschaft Köln 1967 e. V. pflegt noch heute sehr aktiv das Andenken des Künstlers. Die Gesellschaft übernahm u. a. auch die Restaurierung einer Ostermann-Figur. Die restaurierte Figur befindet sich im Hotel Radisson Blue in Deutz. Eine Kopie wurde am Ratsturm angebracht. Es gibt noch weitere Denkmäler und Tafeln in der Umgebung in Andenken an den Künstler, wie z. B. eine Gedenktafel am Haus Am Neumarkt 33, wo er von 1928 bis zu seinem Tod zusammen mit seiner Frau Käthe gelebt hat. Die Tafel könnt ihr anschauen und mit dem Besuch einiger meiner anderen Lieblingsorte in Köln verbinden.

Gedenktafel

Willi Ostermann Brunnen und Ostermannplatz Köln – Gedenktafel an seiner letzten Wohnstätte

Die Ostermann Gesellschaft 1967 e. V. pflegt heute den Brunnen und hat seit ihrer Gründung sehr viel unternommen, um das Andenken des Kölner Barden zu bewahren. Z. B. verleiht sie in unregelmäßigen Abständen während der Sessionseröffnung, die mittlerweile unter Regie der Gesellschaft auf dem Heumarkt stattfindet und auf den Altermarkt übertragen wird, den „Goldenen Ostermann Brunnen“ für besondere Verdienste um den Kölner Karneval (u. a. wurden Willy Millowitsch, Bläck Fööss, die Höhner geehrt), organisiert spektakuläre Karnevalssitzungen u. v. m. und hat etliche Andenken über Willi Ostermann aus alten Archiven erworben (ein Originalliederbuch des Sängers könnt ihr auf der Website der Gesellschaft anschauen) oder verwaltet diese. Auf der Seite der Ostermann Gesellschaft findet ihr noch allerlei Wissenswertes über deren Gründungsgeschichte, den Kölner Karneval und viele aktuelle Termine. Auch ein Willi Ostermann Wanderweg mit Stationen seines Lebens, bei dem man Köln besser kennenlernt, findet sich dort. Und einmal im Jahr wird ein Ausflug ins Nachtigallental, wo sich auch ein Denkmal findet, organisiert. Die Hymne dieser Karnevalsgesellschaft ist, wie könnte es anders sein, Willi Ostermanns Lied „Heimweh nach Köln“.

„Wenn ich su an ming Heimat denke
un sin d’r Dom su vör mir ston,
mööch ich direk op Heim an schwenke,
ich mööch zo Foß no Kölle gon.“

Verszeile aus „Heimweh nach Köln“ von 1936

Ich übernehme keine Verantwortung für Vollständigkeit und Korrektheit meiner Recherchen. Eigentlich wollte ich euch nur von einem meiner Lieblingsorte in Köln berichten…und freue mich über weitere Informationen zu Willi Ostermann und dem nach ihm benannten Platz in Kölles Altstadt.

20 Jan

Flora und Botanischer Garten in Köln

Flora und Botanischer Garten Köln

Flora und Botanischer Garten in Köln sowie der nahe gelegene Skulpturenpark können das ganze Jahr über kostenlos besucht werden und sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar.

Der Kölner Zoo liegt in unmittelbarer Nähe und die zur Bundesgartenschau 1957 angelegte Kölner Seilbahn verbindet die Flora mit dem rechtsrheinisch gelegenen  Rheinpark.

- nachempfundene Alpenlandschaft

Flora und Botanischer Garten Köln – nachempfundene Alpenlandschaft mit alpiner Bepflanzung

Ich möchte euch ganz besonders den Besuch der Flora ans Herz legen, wenn ihr euch für Pflanzen und Gartenbaukunst interessiert und euch mal abseits der Hektik der Stadt etwas Ruhe gönnen wollt. Die Flora ist zu jeder Jahreszeit, auch bei schlechtem Wetter, sehenswert. Und wer nicht so gut zu Fuß ist, kann sich auf einer der bequemen Bänke zwischendurch ein Päuschen gönnen oder in den Sommermonaten die Außengastronomie nutzen. Das Gelände ist mit der Straßenbahnlinie 18 gut erreichbar und wer möchte, kann den Besuch des Skulpturenparks und der Flora miteinander gut verbinden.

Flamingos

Flora und Botanischer Garten Köln – Flamingos im nahegelegenen Zoo

Hennes VIII, Maskottchen des 1. FC Köln

Hennes VIII, Maskottchen des 1. FC Köln

Hennes VIII, das berühmte Maskottchen des 1. FC Köln, lebt seit August 2014 im „Kleinen Geißbockheim“ auf dem Zoogelände und kann dort von den Fans besucht werden. Bei jedem FC Heimspiel im RheinEnergieSTADION wird über dem kleinen Geißbockheim die FC-Flagge gehisst. Mehr über Hennes VIII und seine neue Frau, Anneliese II, erfahrt ihr auf der Seite des 1. FC.

Der Kölner Zoo liegt direkt daneben, falls ihr immer noch nicht genug habt. Und die Kölner Seilbahn (bitte vorher Betriebszeiten checken) bringt euch ans andere Ufer des Rheins, was für Groß und Klein natürlich auch ein spektakuläres Erlebnis ist. Neben Finkens Garten,  den Kölner Museen, dem Wochenmarkt in Nippes und dem Ostermannplatz gehört die Flora zu meinen absoluten Lieblingsorten in Köln, die ich bisher entdeckt habe.

Flora und Botanischer Garten Köln

Flora und Botanischer Garten Köln – Wasserlauf

Geschichte der Flora

Der ehemalige Kölner Botanische Garten lag am Dom und musste für den Bau des Hauptbahnhofs weichen. Somit wurde unter der Schirmherrschaft Kaiserin Augustas 1863 eine Aktien-Gesellschaft zur Anlage eines Zier- und Lustgartens gegründet. Die AG kaufte für 22.130 Taler das neben dem 1860 eröffneten Kölner Zoo liegende „Pilgramsche Grundstück“ mit einer Fläche von 5,6 Hektar. Den Gesamtentwurf der Flora übernahm Peter Joseph Lenné, der sich vom französischen Barock- und italienischen Renaissance-Garten und englischen Landschaftsparks inspirieren ließ.

Flora und Botanischer Garten Köln

Flora und Botanischer Garten Köln

Da der alte Kölner Botanische Garten am Dom für den Bau des Hauptbahnhofs weichen musste, wurde 1862 mit der Planung eines neuen Botanischen Gartens in Riehl begonnen. Betreiber des Gartens wurde die 1863 von Kölner Bürgern, darunter Eduard von Oppenheim und Adolph Rautenstrauch, gegründete Aktien-Gesellschaft zur Anlage eines Botanischen Zier- und Lustgartens. Kaiserin Augusta, die Ehefrau Kaiser Wilhelm I, übernahm die Schirmherrschaft.

Am 14.08.1864 wurde der ebenfalls Flora genannte Glaspalast, ein palastartiger Wintergarten aus Glas und Eisen, eröffnet. Das großartige Gebäude mit Anlehnung an die zu jener Zeit beliebte Maurische Architektur diente als Palmenhaus, wurde aber auch für rauschende Feste und Bälle genutzt.

1875 und 1888 fanden Gartenbauausstellungen statt. 1889 folgte eine Industrieausstellung. 1906 fand die Deutsche Kunstausstellung im Park statt. Wegen der hohen Unterhaltskosten musste die Stadt Köln ab 1907 Aktien der Gesellschaft erwerben und übernahm 1919 die Flora vollständig.

Entstehung des neuen Botanischen Gartens zwischen 1912 und 1914 und Verbindung mit der Flora

Zwischen 1912 und 1914 wurde hier der neue Botanische Garten auf 4,7 Hektar angelegt, da der alte am Vorgebirgstor wegen des Güterbahnhofausbaus stark verkleinert werden musste. Der neugeschaffene Botanische Garten hatte eine wissenschaftliche Zweckbestimmung. Peter Hans Heinrich Esser, der 1. Direktor der Anlage, ließ sich aber von der angestrebten Verbindung mit der Flora leiten und verband den Garten mit dem palastähnlichen Bauwerk zu einem gelungenen Ganzen in besonders ästhetischer Weise.

Flora und Botanischer Garten Köln

Flora und Botanischer Garten Köln – alter knorriger Baum – mein Kraftfeld

In der Folgezeit wurden Garten und Gebäude immer wieder stark verändert, zahlreiche Beispiele des historischen Gartenbaus wurden abgetragen oder vollständig abgerissen bzw. umgestaltet.

Flora und Botanischer Garten nach dem 2. Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Anwesen stark beschädigt. Beim Wiederaufbau in der Nachkriegszeit wurden etliche Gebäude und Anlagen des Historismus abgebrochen. Eine der spektakulärsten Änderungen war wohl, dass die Eisenkuppel des Palmenhauses demontiert wurde und das Gebäude als nur einstöckiger Festsaal wieder hergestellt wurde. Der 1898 errichtete Konzert- und Festsaal sowie die alten Gewächshäuser wurden vollständig abgebrochen. Ende 1949 wurde der Botanische Garten wiedereröffnet.

Flora und Botanischer Garten Köln

Flora und Botanischer Garten Köln- nachgebildete alpine Landschaft und alp. Bepflanzung

Sukzessive wurden zwischen 1950 und 1955 neue Gewächshäuser wie Kakteenhaus und die Tropenhäuser errichtet. Auch bot man den Besuchern einen Rundgang durch verschiedene Vegetationszonen vom tropischen Regenwald bis hin zur Wüste an. 1957 fand die Bundesgartenschau statt.

100-jähriges Jubiläum der Kölner Flora und Geschichte bis 2008

Zum 100-jährigen Jubiläum 1964 wurde der Wiederaufbau abgeschlossen und das Festhaus wurde renoviert. In den Folgejahren wurden die Gelder der Stadt Köln stark gekürzt. Man diskutierte sogar die Schließung, was aber glücklicherweise abgewendet werden konnte.

Der seit 1977 amtierende Gartenleiter Eugen Moll sollte kurz vor dem 125-jährigen Jubiläum das Erscheinungsbild von Flora und Botanischem Garten wiederherstellen. Zwischen 1985 und 1990 wurden etliche Sanierungen, Neubauten und Bepflanzungen durchgeführt.

Wiedereröffnung nach Renovierung in 2008

2008 erhielt der Park dann die erste Palmenallee Deutschlands und die Sanierung wurde bis zum 150. Jubiläum abgeschlossen. Endlich wurde auch das Dach in den Originalzustand (Kuppeldach) versetzt. Ein spektakulärer Dachsalon wurde unter dem Tonnendach geschaffen, wo ca. 150 Personen untergebracht werden können. Feierliche Wiedereröffnung war am 12.06.2014.

Flora und Botanischer Garten Köln

Flora und Botanischer Garten Köln – der 2014 restaurierte Prunkbau

Das palastartige Gebäude wird von der Gesellschaft KölnKongress für gehobene Events und Bankette vermietet. Die Innenräume sind für andere Besucher nur während des Tages des Offenen Denkmals zugänglich. Schade, dass es so einen Termin nur einmal im Jahr gibt; denn es gibt noch etliche andere Bauwerke, die ebenfalls nur einmal im Jahr öffentlich zugänglich sind. Leider fällt durch diese Restriktion die Auswahl der Denkmäler schwer. Ein Besuch der wunderschönen Flora lohnt sich auf jeden Fall besonders. Der Tages des Offenen Denkmals findet üblicherweise immer am 2. Sonntag im September statt.

Flora und Botanischer Garten Köln

Flora und Botanischer Garten Köln – kunstvolles Fenster

Flora und Botanischer Garten Köln

Flora und Botanischer Garten Köln – Palmenhain. Auch im Winter schön! Foto: piwik

Zwischen Mai und September kann eine Pause auf der großen Außenterrasse von Mittag bis spätestens 22.30 Uhr eingelegt werden. Das Café wird von einem Caterer von außerhalb betrieben und hat den Namen „Dank Augusta“ in Anlehnung an die ehemalige Schirmherrin Kaiserin Augusta. Die Preise sind etwas gehoben, aber wie ich finde noch im Rahmen, da ja sonst kein Eintritt bezahlt werden muss.

Über Adresse, Öffnungszeiten, Anfahrt, Veranstaltungen und diverse Führungen durch den Park und die Gewächshäuser könnt ihr euch hier informieren. Ein kleiner Teil der Anlage ist auch durch den WDR-Garten reserviert.

22 Nov

Filmforum NRW – Kino im Museum Ludwig Köln

Das Filmforum ist ein Aufführungsort für Filmgeschichte und zeitgenössische Filmkultur. Zu Gast sind international renommierte Filmschaffende, Medienwissenschaftler u.v.m. Geboten werden Filmgeschichte, zeitgenössische Filmkultur, zahlreiche thematische Programmreihen, Filmfestivals, Dokumentarfilme, Vorträge, Premieren und Diskussionen mit internationalen Regisseuren, Autoren u.v.m.

Filmforum NRW – Kino im Museum Ludwig Köln – Aussenansicht Filmforum

Das Filmforum hat eine angenehme, überschaubare Größe und bietet somit Nähe zu den Gästen. Ich war schon mehrmals dort und habe eine ansprechende Atmosphäre und gut vorbereitete und engagierte Veranstalter und Moderatoren vorgefunden. Es entwickelten sich lebhafte und interessante Diskussionen mit den Zuschauern. Die Eintrittspreise sind human. Es gibt ermäßigte Eintrittskarten und auch regelmäßig Veranstaltungen, die keinen Eintritt kosten. Schaut einfach auf dem Programm mal nach. Weitere Kölner Museen findet ihr auf diesem Blog.

Das Kino im Filmforum wird seit 2006 derzeit von folgenden Partnern bespielt: die Film- und Medienstiftung NRW, der Westdeutsche Rundfunk (WDR), die ifs internationale filmschule köln, die KölnMusik GmbH, der Verbund der freien Filmszene „KinoAktiv“ und dem Museum Ludwig / Stadt Köln. Es handelt sich um ein bundesweit einzigartiges Modell.

Das Forum befindet sich mit im Gebäude des Museum Ludwig und hat einen eigenen Eingang um die Ecke oder kann von der Eingangshalle des Museums aus erreicht werden. Es ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar und in der Nähe von Dom und Kölner Hauptbahnhof.

Bei etwas Planung lässt sich gut ein Besuch des Museums Ludwig mit einer Veranstaltung des  Filmforums NRW verbinden.