28 Jan

Willi Ostermann Brunnen und Ostermannplatz Köln

In Rheinnähe, ganz versteckt, und doch inmitten der Kölner Altstadt, liegt der beschauliche Ostermannplatz mit seinem Willi Ostermann Brunnen, den ihr über das winzige, gepflasterte Kastellgässchen oder die Lintgasse (hier wurden im Mittelalter Korbwaren von Lintschleißern = Korbflechtern hergestellt) erreichen könnt.

Ganz zufällig fand ich an einem heißen Sommertag den nur wenige Schritte vom Großstadttrubel entfernten, idyllischen Platz mit seinem Brunnen, der dem berühmten Kölner Star-Mundartsänger und Komponisten Willi Ostermann gewidmet ist, und möchte euch hier seine Geschichte erzählen. – Gelegentlich hat man Glück und kann von dem im Schatten liegenden Mäuerchen aus, das zum Ausruhen und Verweilen einlädt, einem burschikosen Tourguide beim Vortrag eines Liedes oder einiger Spottverse lauschen und beobachten. Den Brunnen zieren 15 aus Muschelkalk gefertigte Figuren und eingemeißelte Textzeilen. – Auch befindet sich auf dem Platz ein Bronzerelief des Künstlers. Neugierig wie ich bin, recherchierte ich die Geschichte des an Weiberfastnacht, dem 16.02.1939, zum Andenken an Willi Ostermann eingeweihten Brunnens und Platzes.

Willi Ostermann Brunnen

Willi Ostermann Brunnen und Ostermannplatz Köln – dreieckiger Brunnen aus Muschelkalk

Willi Ostermann 1.10.1876 – 6.08.1936

Wilhelm „Willi“ Ostermann wurde am 1.10.1876 in Mülheim, auf der liebevoll „Schäl Sick“ genannten rechtsrheinischen Seite, geboren und wuchs in der damaligen Garnisonsstadt Deutz auf. Schon als Schulkind fiel der Rotschopf durch seine lustigen Sprüche und Verse auf. Nach der Volksschule begann er eine Ausbildung im Elektrohandwerk, die er abbrach. Danach machte er eine Lehre als Stereotypeur und Galvanoplastiker und arbeitete wahrscheinlich bis 1900 in seinem Beruf.  Ab 1895 war er Mitglied einer Laientheatergruppe. Seine Talente brachte er bei kleinen Auftritten bei Familienfesten oder in Kneipen ein und verdiente sich so etwas dazu. Noten lesen konnte Ostermann nicht, verfasste aber unermüdlich Lieder und sang sie später auf Schallplatten. Schließlich hatte er 1907 seinen großen Durchbruch mit „Däm Schmitz sing Frau eß durchgebrannt“. Das Lied entstand in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Emil Neumann und war DER Karnevalsschlager 1906/1907. So wurde Ostermann in ganz Deutschland und auch im europäischen Ausland bekannt. Von den Einnahmen seiner Musikleidenschaft konnte er schließlich leben und hinterließ über 100 bekannte „kölsche Krätzchen“, Rhein-Wein-Lieder, Revuefilmlieder und schrieb auch für andere Künstler. Er liebte den Rhein und widmete dem Fluss seines Lebens ebenfalls seine Musik, die bis heute viele Künstler vortragen. Außerdem mochte er das süße Leben und wurde des öfteren auf der Pferderennbahn gesehen.

Willi Ostermann Brunnen und Ostermannplatz Köln – Denkmal Willi Ostermann

Eines seiner bekanntesten Lieder „Och, wat wor dat fröher schön doch en Colonia“ wurde 1936 zum Herzzerreißen von einer Musikkapelle anlässlich seines Begräbnisses auf dem Melaten Friedhof in der Aachener Straße gespielt. Halb Köln trauerte um Willi Ostermann und die meisten Geschäfte blieben über Stunden geschlossen. 35.000 Menschen säumten den Trauerzug vom Neumarkt (wo er zuletzt wohnte) bis zu Melaten als er am 10.08.1936 beigesetzt wurde. Sein beliebtes Lied „Heimweh nach Kölle – Ich mööch zo Foß noh Kölle gonn“, soll er nach einer nicht gut überstandenen schweren Magenoperation auf dem Sterbebett im Kölner Krankenhaus Lindenburg noch 4 Tage vor seinem Tod geschrieben haben.

Willi Ostermann und seine Lieder – Textverse am Willi Ostermann Brunnen

Als es noch kein Radio gab, wurden seine beliebten Lieder in Windeseile von Mund zu Mund verbreitet. Otto Reutter gab ihm schon 1905 den Rat „den Leuten aufs Mal zu gucken und so seine Spottverse zu verfassen, was er am besten beherrsche“. Diesen guten Rat befolgte Ostermann. Er verkaufte über 2,5 Millionen Schallplatten. Seine Lieder handeln von Persönlichkeiten und skurrilen Figuren, Begebenheiten, Lokalitäten und detailverliebten Szenen und strotzen nur so vor Humor der damaligen Zeit. Aber es handelt sich bei Weitem nicht nur um Karnevalslieder. Er vereinte kölschen Sprachwitz mit angeborenem Humor. Seine Lieder handeln neben der immer wieder gepriesenen Schönheit der Frauen vom Rhein und dem köstlichen Wein auch von den unsicheren Zeiten, von Krieg und Frieden, Hunger, Depression, beschreiben detailgenau Milieuszenen und deren pralle Figuren und erzählen später auch von Kriegsgewinnlern, wobei die Politik nicht Ostermanns Hauptthema war und keineswegs korrekt wiedergegeben wurde. Sein Lied „Heimweh nach Köln“ wurde im Zweiten Weltkrieg sogar als „wehrkraftzersetzend“ verboten. Unvergessen auch seine „Hommage“ an die Waffe „Dicke Bertha, Kaliber 42“.

Entstehung und Geschichte des Willi-Ostermann-Brunnens und Ostermannplatzes bis 1961

Nach Willi Ostermanns Tod verwendete sein Freund und damaliger Präsident des Kölner Festkomitees, Thomas Liessem, die Erlöse aus dem Verkauf der Schallplatte „Heimweh nach Köln“ sowie die Tantiemen für das von ihm verfasste Ostermannbuch und im Freundeskreis gesammelte Gelder, um ein Ostermanndenkmal erbauen zu lassen.

Der Bildhauer Willy Klein schuf aus einem 14 Kubikmeter großen aus Bayern angelieferten Muschelkalkblock für 38.000 Reichsmark das Werk mit den 15 Figuren, die u. a. von Ostermann besungen worden waren. Der dreieckige Brunnen bildet heute den zentralen Punkt des Platzes. Eingemeißelt in das Denkmal sind die Textzeilen aus drei berühmten Ostermann-Liedern: „Kölsche Mädcher künne bütze“, „Wenn in Colonia der Karneval beginnt“ und „Och, wat wor dat fröher schön doch in Colonia“.

Willi Ostermann Brunnen und Ostermannplatz Köln

Willi Ostermann Brunnen und Ostermannplatz Köln – dreieckiger Brunnen aus Muschelkalk

Alle Kölner Karnevalsgesellschaften und viele Vereine waren anwesend, als das Denkmal 1939 an Weiberfastnacht feierlich dem damaligen Oberbürgermeister als Geschenk der Kölner Bürgerschaft zur Pflege übergeben wurde. Der Platz wurde „Ostermannplatz“ genannt. Der Kinderchor des Städtischen Waisenhauses und der Kölner Männerchor sangen sehr einfühlsam gemeinsam Ostermanns letztes Lied.

Thomas Liessem würdigte den Verstorbenen anlässlich der Einweihung des Denkmals mit folgenden Worten:

„Ein Volk lebt in seinen Liedern, und der die Lieder schrieb, konnte nur im Volke gelebt haben. Generationen gehen, doch seine Lieder bleiben bestehen. Und ein Volk, welches sich singend in seinen Liedern selbst den Spiegel vorhält, wie in den Gesängen Ostermanns, dieses Volk hat Herz und Gemüt. – Bitten wir den Himmel, dass er uns dieses Gemüt erhält und dieses Denkmal so lange schützt, wie die Lieder unseres Willi Ostermann in diesem Volk am Rhein Bestand haben!“

Und als ob der Himmel tatsächlich zugehört und die Bitte erfüllt hätte, wurde der Brunnen trotz der durch Bombenhagel und Feuersbrunst verheerenden Zerstörung ringsherum kaum beschädigt. Und die textsicheren Kölner lieben es bis heute, ihre Lieder zu singen – und ich singe gerne mit!

Nach dem Krieg übernahm der 17-jährige in direkter Nachbarschaft des Brunnens wohnende Karnevalist Franz Unrein, später als „Schütze Bumm“ und „Jupp vum Kägelclub“ bekannt und berühmt, tatkräftig die Aufräumarbeiten des Platzes mithilfe der Nachbarschaft und der Karnevalskünstlervereinigung Muuzemändelcher, wofür er mit einer Medaille geehrt wurde.  Am 11.11.1949 erfolgte die Wiedereinweihung des Denkmals. Wieder wurden die alten Ostermannlieder feierlich intoniert. – Aus dieser Wiedereinweihung machten die Muuzemändelcher ein wiederkehrendes Ereignis. Immer am 11.11. um 11 Uhr 11 wurde von da an hier die Karnevalssession eröffnet.

Als 1961 der Ostermann Platz umgebaut wurde, holte der damalige Oberbürgermeister Theo Burauen den Karnevalsauftakt auf den Rathausvorplatz, „Et Spill op d´r Rothustrapp“. In der Folge geriet der Brunnen in Vergessenheit und begann zu zerfallen.

Geschichte um Willi-Ostermann-Brunnen und Ostermannplatz ab 1967 und Gründung der Ostermann Gesellschaft Köln 1967 e. V.

Am 28.02.1967 schließlich gründete sich die Ostermann Gesellschaft  in den Räumen des noch heute bestehenden Brauhauses „Gilden im Zins“, um das Andenken Ostermanns zu ehren. Die vergessene Tradition der Sessionseröffnung seit 1949 wurde wiederbelebt und die Gesellschaft lud am 11.11.69 wieder zur Sessionseröffnung am Ostermann-Brunnen ein. Der Platz wurde mit den Jahren allerdings für die vielen Jecken zu eng und man musste ausweichen.

1974 wurde der Brunnen durch Jürgen Hans Grümmer umgestaltet.

Eine weitere Neueinweihung fand schließlich am 14.06.1997 statt.

Gedenktafel

Willi Ostermann Brunnen und Ostermannplatz Köln – Gedenktafel

Willi Ostermanns Nachlass wurde in dessen eigenem Verlag zunächst von seiner 2. Frau Käthe und später vom Musikverlag Hans Gerig KG verwaltet. Die Willi Ostermann Gesellschaft Köln 1967 e. V. pflegt noch heute sehr aktiv das Andenken des Künstlers. Die Gesellschaft übernahm u. a. auch die Restaurierung einer Ostermann-Figur. Die restaurierte Figur befindet sich im Hotel Radisson Blue in Deutz. Eine Kopie wurde am Ratsturm angebracht. Es gibt noch weitere Denkmäler und Tafeln in der Umgebung in Andenken an den Künstler, wie z. B. eine Gedenktafel am Haus Am Neumarkt 33, wo er von 1928 bis zu seinem Tod zusammen mit seiner Frau Käthe gelebt hat. Die Tafel könnt ihr anschauen und mit dem Besuch einiger meiner anderen Lieblingsorte in Köln verbinden.

Gedenktafel

Willi Ostermann Brunnen und Ostermannplatz Köln – Gedenktafel an seiner letzten Wohnstätte

Die Ostermann Gesellschaft 1967 e. V. pflegt heute den Brunnen und hat seit ihrer Gründung sehr viel unternommen, um das Andenken des Kölner Barden zu bewahren. Z. B. verleiht sie in unregelmäßigen Abständen während der Sessionseröffnung, die mittlerweile unter Regie der Gesellschaft auf dem Heumarkt stattfindet und auf den Altermarkt übertragen wird, den „Goldenen Ostermann Brunnen“ für besondere Verdienste um den Kölner Karneval (u. a. wurden Willy Millowitsch, Bläck Fööss, die Höhner geehrt), organisiert spektakuläre Karnevalssitzungen u. v. m. und hat etliche Andenken über Willi Ostermann aus alten Archiven erworben (ein Originalliederbuch des Sängers könnt ihr auf der Website der Gesellschaft anschauen) oder verwaltet diese. Auf der Seite der Ostermann Gesellschaft findet ihr noch allerlei Wissenswertes über deren Gründungsgeschichte, den Kölner Karneval und viele aktuelle Termine. Auch ein Willi Ostermann Wanderweg mit Stationen seines Lebens, bei dem man Köln besser kennenlernt, findet sich dort. Und einmal im Jahr wird ein Ausflug ins Nachtigallental, wo sich auch ein Denkmal findet, organisiert. Die Hymne dieser Karnevalsgesellschaft ist, wie könnte es anders sein, Willi Ostermanns Lied „Heimweh nach Köln“.

„Wenn ich su an ming Heimat denke
un sin d’r Dom su vör mir ston,
mööch ich direk op Heim an schwenke,
ich mööch zo Foß no Kölle gon.“

Verszeile aus „Heimweh nach Köln“ von 1936

Ich übernehme keine Verantwortung für Vollständigkeit und Korrektheit meiner Recherchen. Eigentlich wollte ich euch nur von einem meiner Lieblingsorte in Köln berichten…und freue mich über weitere Informationen zu Willi Ostermann und dem nach ihm benannten Platz in Kölles Altstadt.

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